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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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VIII. KAPITEL.

der Kaufkraft und dem Geschmack seiner Konsumenten ent-sprechend nun eben einmal einen guten Teil billige undordinäre Ware verlangt.

Meines Erachtens aber wären diese Bestimmungen wohlein Moment gewesen, eine kleine Umwälzung insofern hervor-zurufen, als sie den Nebenbetrieb der Landwirtschaft etwaserschwert und wohl dadurch der Stickerei einen Teil ihrerArbeiter entzogen hätten. Das wäre, nur dann ein Schadengewesen, wenn es nicht zugleich damit gelungen wäre, denSaisoncharakter des Stickereigeschäfts, den es in letzter Zeitmehr-und mehr angenommen hat, abzuschwächen. Ob letzteresmöglich ist, ist allerdings fraglich.

Einen weiteren Beweis für die Bemühungen des Ver-bands, tüchtige Arbeitskräfte heranzuziehen, giebt unssein Beschluss von 1889, einen Jahresbeitrag von 200 Fr.an die k. und k. Vorarlberger Stickfachschule zu Dornbirn zu leisten. Auch diese Institution ist namentlich in An-betracht der der Stickerei so ungünstigen Zeit zu jung, alsdass ein Urteil über ihr Reüssieren erlaubt wäre. DieLeistungen der Schüler sind unzweifelhaft gut, aber es sindderen bis jetzt noch so wenige, dass sie unter der Unmengeder VorarlbergischenPfuscher völlig verschwinden.

Ein wirklich grossartiger Versuch, der, wenn er ge-glückt wäre, der ganzen Industrie unschätzbare Dienstegeleistet hätte, war die Gründung des sogenannten Indu-striefonds. Anfangs der 90er Jahre fürchtete man nämlichallgemein, es würde eine eben neuerfundene Dampfstick-maschine die Handstickmaschine verdrängen oder ihr wenig-stens empfindlich Konkurrenz machen. Vor allem aberwurden Befürchtungen laut, dass diese neue Erfindung dieganze Industrie nach Amerika verschleppen würde. EineVersammlung von Kaufleuten beantragte daher, das ameri-kanische Patent von seiten des Verbands zu erwerben. DieMittel dazu 600 000 Fr. sollten aufgebracht werden,indem jedes Kaufhaus für jede ausgegebene Stickete 20 bis25 cents in einen besonderen Fonds, den Industriefonds, zahlensollte. Man hoffte damit auf einen Jahresbeitrag von500000 Fr. Zugleich sollten diese aufgebrachten Mittel dazu