DIE VERBÄNDE DER EINZERSTICKER.
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Unparteiischer behauptet, vielmehr stimmt man allgemeindarin überein, dass eben sehr oft die Hauptschuld an dermangelnden Kenntnis der ersten Nachstickerin liege.
Im ganzen fanden solche Nachstickkurse in circa70 Sektionen mit ungefähr 1200 Teilnehmerinnen aufKosten der Centralkasse und der Sektionen statt.
Auf zweierlei Weise suchte man die Fachbildung derSticker auf ein höheres Niveau zu bringen. Einmal, indemman für die schon vorhandenen Kräfte analog den Nach-stickkursen Stickfachkurse einrichtete, in denen theoretischerund praktischer Unterricht erteilt wurde. Hand in Handmit diesen Kursen für Sticker gingen solche für Fabrikantenund Kaufleute in der richtigen Erkenntnis, dass es bei derHebung der Industrie vor allem darauf ankomme, auch dieKaufleute ein klein wenig in die Mysterien des Stickerei-berufs einzuweihen. Nicht weniger wichtig für die quali-tative Förderung des Arbeiterstands war der andere Schritt,die Regulierung des Lehrlingswesens. Man stellte ein Re-gulativ auf, wonach jeder Stickerlehrling zunächst eine drei-monatliche Lehrzeit und hierauf mindestens 9 und höchstens15 Monate in freier praktischer Thätigkeit als Sticker zuarbeiten hatte. Nach Erfüllung dieser beiden Bedingungenhatte er sich vor einer Prüfungskommission einer praktischenund theoretischen Prüfung zu unterziehen, nach deren Be-stehen er das Stickerdiplom erhielt. Ausser diesem Nach-weis der Befähigung für Normalsticker existierte auch nochder für Feinsticker, der selbstverständlich an schwierigereBedingungen geknüpft war. Leider kann man kein ab-schliessendes Urteil fällen, ob diese Versuche, dem Pfuscher-tum auf den Leib zu rücken, von Erfolg gekrönt waren, dasie sich nur über vier Jahre, von 1889—92 erstrecken. Indieser kurzen Zeit hatte man gute Erfahrungen damit ge-macht, und es ist eigentlich kein rechter Grund zu demGlauben vorhanden, dass sich das im weiteren Verlaufgeändert hätte. Freilich das darf man nicht glauben, dassnun alle Sticker im Lauf' der Zeit kleine Künstler mit relativgutem Auskommen geworden wären. Dass das nicht ein-getreten wäre, dafür hätte schon der Markt gesorgt, der