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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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ME VERBÄNDE DER EINZELSTICKER.

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stimmen. Daliin gehörte, dass die Mode sich von den ge-stickten Roben, Schleiern und Unterkleidern abwandte,und dass in Südamerika allenthalben eine politische Un-sicherheit herrschte, die nicht nur drüben, sondern auchin Europa im geschäftlichen Leben äusserst grosse Stö-rungen hervorbrachte. Schon der Winter 1890/91 hattebei dem flauen Geschäftsgang dazu gezwungen, die Arbeitan den Samstagen von Anfang Januar bis Ende Märzganz zu verbieten, aber das war nur ein Vorspiel zu dem,was der Winter 1891/92 bringen sollte. Nach dem Ge-schäftsbericht des kaufmännischen Direktoriums war nochnie ein Jahr in der Stickerei so schlecht gewesen als 1891.Der Export an Stickereien ging um 10 '/z Millionen Fr. zurück.Namentlich in Vorarlberg hatten die Grobsticker nicht nurtage- sondern wochenlang keine Arbeit. Man hatte Hungerund keinen Verdienst, was nützte da der Minimallohn, wasall die schönen Bestimmungen des Verbands. So erklärtenEnde des Jahres 944 Vorarlberger mit 1876 Maschinen ihrenAustritt. Umsonst bemühte sich der Verband sie zu halten,sie sahen jetzt in ihm nicht nur eine nutzlose, sondern einedirekt schädigende Einrichtung, zumal offene und geheimeFeinde in leitenden Kreisen die Meinung nährten, dass derMinimallohn alle Schuld an der Arbeitslosigkeit trage. DerAustritt erfolgte, und es schien fast, als sollten die Ab-trünnigen Recht behalten. Sie hatten plötzlich Arbeit undnoch dazu von Verbandstirmen, die in ihrem Eigennutz an dieAusgetretenen, selbstverständlich zu bedeutend reduziertenPreisen, Waren ausgaben, während die treugebliebeuenArbeiter im Verband feiern mussten 1 . Man sah, dassunter der zunehmenden Not, unter der wachsenden Kor-ruption der Minimallohn nicht mehr zu halten sei. Er hatteauch jetzt für die Arbeitnehmer noch weniger Zweck alsfrüher, denn auf dem Weg der Abzüge, die mehr denn jegemacht wurden, verloren sie, was ihnen der Minimallohngegeben hatte. So wurde er anfangs 1892 aufgehoben, nach-dem schon kurz vorher die Musterklassiflkation das gleiche

1 Damals kam es vor, dass Schweizer Sticker ihre Arbeit in Vorarl-berg holten.