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gemacht. Der Getreidebau war eben im Grofsbetrieb viel ratio-neller und rentabler als im Kleinbetrieb. Als im ersten Vierteldes neunzehnten Jahrhunderts die Bauernbefreiung iu Preufseneintrat, mufsten die noch übrig gebliebenen Bauern den Fortfallder Frohnden und sonstigen ihnen im Laufe jahrhundertelangerKnechtschaft aufgebürdeten Lasten durch Abgabe weiteren Landesau die Gutsherrschafteu erkaufen.
Durch die berüchtigte Deklaration von 1815 wurden die nichtspannfähigen Häusler- und Käthnerstellen für nicht regulierbarerklärt und einfach den Rittergütern überwiesen.
In den Perioden hoher Getreidepreise, namentlich in den 60 erund 70er Jahren des abgelaufeuen Jahrhunderts wurde diese Be-wegung durch Landankauf von seiten des Grofsgrundbesitzes fort-gesetzt. Das Typische für diese politisch einflufsreichsten Ge-genden Preufsens, Mecklenburgs und des Königreichs Sachsen istaber nicht wie in England der Latifuudienbesitz, sondern derBesitz mittlerer Güter von 300—1000 ha, die überwiegend durchden Besitzer bewirtschaftet werden.
Darüber, wieviele Güter in einer Hand vereinigt sind, fehltes an Material. Die Zahl der Fideikommisse, die über zahlreicheselbständige landwirtschaftliche Güter verfügen und sie durch An-gestellte bewirtschaften lassen oder sie verpachten, ist in stän-digem Steigen. So vermehrte sich der Fideikominisbesitz inPreufsen von 6,1 v. H. der Gesamtfläche in 1896 auf 6,4 v. H.in 1905. Aber auch die Vereinigung mehrerer Güter in denHänden von Zuckerindustrielleu oder Gesellschaften ist nichtsSeltenes. In Schlesien besitzt eine einzige, die Rübenzuckerfabri-kation betreibende Gesellschaft einige zwanzig der besten grofsenRübeugiiter. Eine Statistik über die Besitzverteilung besteht nicht.Alle Versuche von freihäudlerischer Seite, eine solche zu veran-lassen, sind am aktiven Widerstand der Agrarier und an dempassiven der Regierungen gescheitert.