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kaufen will, der damit aufhört Landwirt zu sein, aber es ist eingrofser Nachteil für alle die, welche als Pächter oder als Käuferdie Landwirtschaft selbst ausüben; ja selbst der Erbe eines Gutesist durch diese künstlich herbeigeführte Preissteigerung üblerdaran, als ohne sie. Da die überwiegende Mehrzahl des Grund-besitzes in Deutschland nicht fideikommissarisch gebunden ist, somufs der Erbe, der das Gut übernimmt, bei der Erbteilung anseine Geschwister um so mehr herauszahlen, je höher der Wert desGutes ist. Bei Mifsernten, Yiehsterben usw., ist er also sehr vielschlechter gestellt, als vorher.
Jede Zollsteigerung sprach sich im Preise der Güter undPachten aus, und die neuen Erwerber und Übernehmer und Pächter,die zu den höheren Preisen gekauft, gepachtet oder übernommenhatten, erklärten nach kurzer Zeit, die Produktionskosten nichtmehr herauswirtschaften zu können.
Durch die Verteuerung des wichtigsten Nahrungsmittels, desBrotes, wird der Konsum der höher-wertigen Nahrungsmittel, alsovon Vieh, Fleisch, Milch, Butter, Geflügel, Eiern, Gemüse, Obst,aufserordentlieh zurückgehalten, während gleichzeitig die unge-sunde Ausdehnung des Getreidebaues künstlich begünstigt wird.Dabei sind die Produktionskosten der Landwirtschaft durch diesePolitik gesteigert worden, nicht nur durch die Verteuerung vonGrund und Boden, sondern auch durch die von Löhnen, Kohlen usw.Freilich, die Löhne sind auf den grofsen Gütern des Ostens undNordens nicht so gestiegen, wie dies dem gesteigerten Ertrageentsprochen haben würde. Durch die massenhafte Heranziehungbilliger ausländischer Arbeitskräfte, insbesondere aus Galizien undRussisch-Polen, die als Landarbeiter — Saisonarbeiter, sogenannteSachsengänger — vom Beginn der Ackerbestellung bis gegen dasEnde der Rüben- und Kartoffelernte beschäftigt werden, sinddie Löhne der heimischen Landarbeiter dauernd gedrückt, was