25
Auswanderung fast 1,7 Millionen Menschen, ganz überwiegendMänner in den besten Arbeitsjabren. J )
Ein völliger Wechsel trat erst mit der Erleichterung durchdie Capriviscben Handelsverträge ein, und in den letzten Jahrenist die Auswanderung, die im Jahre 1901 ihre niedrigste Ziffermit 22 073 erreichte, und im Jahre 1903 noch einmal auf 36 310aufstieg, hinter der Einwanderung zurückgeblieben.
Im Jahrzehnt 1895—1905 hatte Deutschland erstmalig einenWanderungsgewinn von 146 432 Personen.
Die Industrie hat erst seit dieser Zeit jenen gewaltigen Auf-schwung genommen, der es ermöglichte, den Bevölkerungsteil, dendie Landwirtschaft nicht zu beschäftigen vermochte, im Inlandeunterzubringen.
Durch die gewaltige Auswanderung erlitt Deutschland enormeVerluste; handelte es sich doch dabei ganz überwiegend um Personenim arbeitsfähigsten Alter, für die das Vaterland alle Kosten der Auf-zucht und Erziehung getragen hatte, die mit 3000 Jl pro Kopf niedrigberechnet erscheinen, wa3 allein eine von Deutschland für Amerika geleistete Ausgabe von rund 5 Milliarden Jl ausmachen würde; dennder neuen Welt kam die Arbeitsleistung aller dieser Menschen zugute, Deutschland ging sie verloren; es hatte die Aufwendungenfür sie umsonst gemacht. Die Auswanderer nahmen aus dem Mutter-land aber auch sehr erhebliche Kapitalien mit sich. Ganz beson-ders galt dies von der ausgewanderten kleinbäuerlichen Bevöl-kerung, die ihren Grundbesitz an den Grofsgrundbesitz verkaufthatten und mit dem Kaufschilling nach Amerika gegangen war.
0 Die amerikanische Statistik gibt die Einwanderung aus Deutschland noch wesentlich höher an als die deutsche die gesamte überseeische Aus-wanderung. Nach ersterer wanderten beispielsweise 1881 in den Ver-einigten Staaten von Amerika aus Deutschland 245 972 und 1882 232 209Personen ein. Im allgemeinen dürfte hier die amerikanische Statistikzuverlässiger als die deutsche sein, die aufserstande ist, jeden nicht überdeutsche Häfen gehenden Auswanderer zu kontrollieren.