Diese Entwicklung liegt auch nicht im Interesse der in derdeutschen Eisenindustrie beschäftigten Arbeiter. Die Preispolitikdes Stahlwerksverbandes führt dazu, dafs Halbzeug — Ingots,Knüppel, Platinen, — aber auch Träger, Fajoneisen, Walzdrahtund gewisse syndizierte ßlechsorten wesentlich billiger an dasAusland verkauft werden als an die inländischen Weiterverarbeiter.Die belgische Drahtstiftiodustrie z. B. ist im wesentlichen ent-standen, weil die deutschen Drahtwalzwerke ihr das Materialsoviel billiger lieferten, als den heimischen Drahtstiftfabriken.Manche englische Blechwalzwerke leben von dem Bezug desbilligen deutschen Halbzeuges.
Schrieb doch das Irou and Steel Trades Journal, eineder ernsthaftesten englischen Fachzeitschriften am 14. No-vember 1903:
„Der Import von deutschem Halbzeug allein im Hafen vonNewport hat im letzten Jahre 200 000 t betragen; der gröfsteTeil ist natürlich aufgenommen worden von den grolsen Werkenin Newport, von den Herren Lysaghts, Nettlefolds and Baldwius.Die Werke von Lysaghts sind wahrscheinlich die gröfsten Ver-braucher von deutschem Halbzeug im Vereinigten Königreich undbeschäftigen Tausende von Arbeitern auf ihren Werken mit demAuswalzen von deutschen Platinen zu Schwarzblechen, d. i. Fein-blechen, welche nachher gewellt, verzinkt und direkt wieder vonNewport in alle Teile der Welt versandt werden. Die Differenzim Preise zwischen dem deutschen und britischen Halbzeug beträgt/am Verbrauchsort 10 —12'/ 2 Schilling pro t, und der Import dieses,billigen Halbzeuges ermöglicht es allein den Fabrikanten, ihrenHandel aufrechtzuerhalten und auf dem Weltmarkt zu kämpfen.“Und gleichzeitig klagten die deutschen Feinblechwalzwerke,dafs fob Antwerpen die Platinen mit 75,— Ji verkauft würden,während sich der Inlandspreis um 19,— Jl höher stelle; siewiesen nach, dafs, wenn ihnen blofs für den Export das Halbzeug