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Die Wirkungen des Schutzzollsystems in Deutschland / von Georg Gothein
Entstehung
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Unsere ganze Maschinenindustrie produziert teurer als dieenglische, weil sie ihr Material höher bezahlen mufs als jeue.Wenn sie trotzdem diesen hohen Stand erreicht hat und aufser-ordentlich exportkräftig erscheint, .so hat das seinen Grund in demintensiven Zusammenarbeiten von Wissenschaft und Technik inDeutschland, in der vorzüglichen Ausbildung der deutschen Ingenieure auf unseren deutschen Hochschulen. Insbesondere istes ja die Elektrotechnik, die dadurch jenen hohen Aufschwunggenommen hat, der sie als die erste der Welt erscheinen läfst.

Dieses Zusammenarbeiten von Wissenschaft und Technik hatauch die bedeutenden Erfolge der grofsen chemischen Industriegezeitigt, die gerade auf ihrem glänzendsten Gebiet der Farbeu-chemie jedes Schutzzolles entbehrt und damit den schlagendenNachweis erbracht hat, dafs die deutsche Industrie der Krückeneines solchen nicht bedarf. Freilich einem Zweige der chemischenIndustrie, der Sodaindustrie, wird dieser Zoll, wenn auch in etwasverminderter Höhe nach wie vor gewährt; tatsächlich kommt ernur zwei Gesellschaften zugute, welche Riesengewinne einstreiclien;Dividenden von 40 v. H. und mehr sind bei ihnen die Regel,während der gesamte Konsum darunter leidet und die grofsenVerbraucher von Säuren und Alkalien in der chemischen Farbeu-industrie dadurch gezwungen wurden, sich ihren Bedarf durchEigenproduktion herzustellen. Auch hier wiikt der Schutzzollwiederum auf die Vereinigung verschiedener Betriebszweige ineinem Unternehmen, die ohne ihn kein Bedürfnis ist. Der grofsekapitalkräftige Produzent kann sich von ihm unabhängig machen,der kleine und mittlere, der nicht in der Lage ist, sich eineeigene Fabrik für seinen Materialbedarf zu schaffen, wird demgrofsen tributpflichtig; auch hier führt er zu einer ungesundenKonzentration, zum Schutz der Starken, zur Benachteiligung derSchwachen.