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Die Wirkungen des Schutzzollsystems in Deutschland / von Georg Gothein
Entstehung
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Schleudert, so lange Ihr könnt! Als eine Tatsache führe ichau, dafs in den letzten 3 Jahren wir sehr häufig deutschen Stahl,sowohl Stahlf'a^onstücke, wie deutsches Halbzeug zu Preisenkauften, die 30 v. H. unter dem Preise für ähnlich gute Fabrikateenglischen Ursprungs sind. Dies hat uns in sehr vielen Fälleneinzig und allein in den Stand gesetzt, Aufträge auf Sehiffbautenhineinzunehmen, die wir sonst hätten verlieren müssen. 1 )

Zu derselben Zeit klagten die deutschen Seeschiffwerften, dafsihnen Bauaufträge entgingen, weil sie trotz genauester Kalkulation20 v. H. teurer offerieren müfsten, als die britischen Werften,denen das Material von den deutschen Eisenwerken soviel billigergeliefert würde; und der deutsche Binnenschiffabrtsbau kann sichgegenüber der holländischen Konkurrenz schon deshalb nicht ent-wickeln, weil diese die deutschen Bleche und Winkel um 15bis 25 Jl per t billiger bekommt als er. 2 )

Schliefslich klagten in der Deutschen Industriezeitung, demOrgan des hochschutzzölluerischen Zentralverbandes deutscherIndustrieller, die grofsen deutschen Fabriken von Lokomotivenund Lokomobilen, dafs sie auf dem Weltmarkt gegenüber denenglischen Maschinen nur um deshalb so wenig erfolgreich seien,weil ihnen die Materialien durch den Zoll so sehr verteuert würden.Zur Aufrechterhaltung der Konkurrenzfähigkeit verlangen sie Zoll-rückvergütung bei der Ausfuhr.

Die Verfeinerung erfordert sehr viel mehr Arbeitskräfte alsdie Produktion von Roheisen und Halbzeug und auch von Walz-draht.

Die vom Erzbergbau und Hüttenbetrieb lebende Bevölkerungmachte 1907 in Deutschland insgesamt noch nicht 940 000 Köpfeaus; die von der Metallverarbeitung lebende dagegen 4 620 000!

0 cf. Deutscher Reichsanzeiger vom 26. Januar 1901, Bes. Beil. S. 20.

2 ) cf. Kontradiktor. Verhandl. üb. d. Halbzeugverband.

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