schon damals jährlich um zirka 850 000—910 000 Seelen zunahm,also eine wesentlich vermehrte Zahl von Schlachtungen bedingthätte. Der Fleischkonsum nahm noch wesentlich stärker ab, alssich aus dem Rückgang der Schlachtungen ergibt, da in denFleischnotjahren aufserordentlich schlecht genährtes und unreifesVieh geschlachtet wurde. In den letzten Quartalen 1908 wiesen dieSchlachtungen wieder eine Zunahme auf; nachdem aber neuerdingswieder ein weiteres Anziehen der Fleisch- und Viehpreise statt-findet, dürfte der erneute Rückgang des Fleischkonsums die unab-weisbare Folge davon sein. x )
Werden davon in erster Linie die ärmeren Bevölkerungs-klassen betroffen, so wirkt die Teuerung doch auch auf die bessersituierten Klassen des Mittelstandes höchst empfindlich ein. Nachden ausgezeichneten Untersuchungen von Henriette Fürth überdas Haushaltungsbudget einer Frankfurter Familie mit einemJahreseinkommen von zirka 10 000 Jl , die sich allerdings aus6 erwachsenen Personen zusammensetzte, ergibt sich, dafs diesteigenden Preise aller tierischen Erzeugnisse gleichzeitig mithohen Brot- und Kartoffelpreisen zu einer wesentlichen Ver-schlechterung der Ernährung führten, dafs also selbst in einerFamilie mit relativ so hohem Einkommen sich die Teuerung nichtblofs lästig, sondern, wie aus den dortigen Untersuchungenzweifellos hervorgeht, gesundheitsschädlich bemerkbar machte.Nun mufs noch weiter betont werden, dafs die Schutzzoll- undAgrarpolitik sämtliche Lebensmittel im Preise gesteigert hat, unddafs die durchschnittliche Preiserhöhung, die durch sie herbei-geführt worden ist, auf zirka 30 v. H. zn veranschlagen ist. BeiWeizen und Roggen * 2 ) macht sie sogar noch mehr aus, bei
*) Im I. Quartal 1909 ist denn auch der Verbrauch von Schweine-fleisch gegenüber dem gleichen Quartal 1908 um fast 0,5 kg pro Kopf,in Berlin sogar von 12,05 auf 10,49 kg zurückgegangen.
2 ) Im Jahrzehnt 1894—1903 kostete Roggen unverzollt Berlin im