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fast ausnahmslos aus bestehenden Geschäften, oder bereits von ein-zelnen Konsortien eingeleiteten Spekulationen hervorgingen. Sie wur-den deshalb auch meist gleich voll eingezahlt an die Börsen gebracht.Dies erleichterte, hei dem vorhandenen Geldüberfluss, die Agiotagesehr, und bedurfte es dennoch keiner bedeutenden Baarmittel zur erstenGesellschaftsbildung, indem die früheren Besitzer stets einen grossenTheil der Kaufgelder in Aktien oder Hypotheken nehmen mussten,auch die Grtindergewinne erst an der Börse realisirt wurden undBankkredite an Stelle sofortiger Baarzahlungeu traten. Hierdurchwurden diese Industriepapiere vorzugsweise die Schoosskinder derSpekulanten, wodurch sich auch, nachdem der Rückschlag eintratehe diese Aktien einigermaassen in feste Hände übergegangen waren,der ausnahmsweise starke Coursrückgang erklärt. Die Börsenagiotagein den Bergwerks-, Hütten- und Industrieaktien hat sicherlich weitmehr Cirkulationsmittel (die also hier nur als Betriebskapital der Spe-kulation auftraten) in Anspruch genommen, als die ursprünglichen Ge-sellschaftsbildungen.
Wirft man einen Blick rückwärts auf das hier von den einzelnenGriindungskategorien entrollte Gemälde, so ergiebt sich, wie bloss ander Berliner Börse , und abgesehen von den ungeheuren Kapitalver-mehrungen der alten Gesellschaften, abgesehen ferner von allen Eisen-bahn- und Versicherungsgesellschaften, gegen 1 % Milliarden Mark blossin Bank-, Bergwerks- und Industrie-Aktien und zwar fast ausnahms-los zu Spekulationszwecken angelegt und dabei meist über pari an dieBörse gebracht wurden. Die Coursdifferenz dieser Papiere zwischenEnde 1872 und 30. Oct. 1875 berechnet sich auf mehr als 900 Mil-lionen Mark. Und dabei sind, wie gesagt, nur die auf dem BerlinerBörsenzettel notirten Werthe von 380 neuen Unternehmungen, wovon210, oder 55 pCt., im Jahre 1874 gar keine Dividendezahlten, in Betracht gezogen, während in Preussen allein, in der-selben Periode, über 800 neue Aktiengesellschaften in die Registereingetragen wurden. Cöln, Hamburg, Frankfurt, Leipzig, Breslau, Stuttgart u. s. w., kurz fast alle Börsen (nur wenige, wie z. B. dieBremer Börse, hielten sich der Bewegung ferner) hatten, neben demHandel in Berliner Werthen, noch ihre besonderen lokalen Gruppenvon Spielpapieren. Andererseits sind auch manche, und darunter ge-rade die solidesten Gesellschaften, auf gar keinem Börsenzettel ver-zeichnet, indem sie bloss lokalen Interessen dienen, oder die Form derAktiengesellschaft nur wegen ihrer Vorzüge vor den offenen Handels-gesellschaften, bei einer grösseren Zahl von Betheiligten, gewählt hatten.
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