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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
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Ueberdem fasse man ins Auge, welchen ungeheuren Umfang dieSpekulationen hatten, die sich ausserhalb des Rahmens der Aktien-gesellschaften und ausserhalb der Börsen vollzogen. In Berlin z. B.traten die Baugesellschaften durch die enormen Preise, die sie zahlten,äusserlich am meisten hervor. Allein der Umsatz der Gesammtspeku-lation in Berliner Häusern und Grundstücken hat das Kapital der Bau-gesellschaften sicherlich um das zehn- und mehrfache überschritten,und drohen hier, bei Fälligkeit der Restkaufgelder, gleiche Verlegen-heiten. Und so ward, wenn auch in geringerem Umfang, überallspekulirt.

Wir haben aber hier nur von den Spekulationen und Differenzenin einem Theil der neuen Aktien-Werthe gesprochen. Es berechnetsich nur nach Milliarden, was gleichzeitig in alten Werthen, in denhier nicht einbegriffenen Kategorien, in Zinspapieren, Hypothekenu. s. w. spekulativ umgesetzt worden ist. Die Berechnung der hierhergehörigen Differenzen und enormen Vermögens-Verschiebungen lassenwir aus dem Spiel, weil wir uns auf die unmittelbaren Erschei-nungen der Krise, wie sie sich an ihren eigensten Schöpfungenvollzogen, beschränken wollen. Die spekulativen Bewegungen in alten,soliden Werthen tragen überhaupt einen anderen, volkswirtschaft-lich minder bedenklichen Charakter, bilden sogar, innerhalb gewisserGrenzen, ein notwendiges Komplement des Börsenverkehrs, der seinganzes Kapital im Umlauf behalten muss, wenn er dem soliden Ge-schäft dienen und stets für alle grösseren Finanzoperationen vorbe-reitet sein will. Der wiederhergestellte Friede und die französischeKriegsentschädigung hatten unstreitig diese Seite der Spekulation,die wir, ohne sie in ihren Ausschreitungen zu billigen, die normalenennen wollen, für sich sehr stark entwickelt, ohne sie jedoch not-wendig zu einer wirklichen Krisis zu steigern, die wir ganz un-zweifelhaft aus dem Schoosse des Aktienwesens hervor-steigen und durch die übertriebenen Banknotenemissionenund die socialen Bewegungen verschärfen sahen.

Von jenen ungeheuren, durch die Spekulationen von 1871/73 ge-schaffenen Differenzen zwischen Werth und Preis, hat sich allerdingsein beträchtlicher Theil in sich selbst aufgelöst. Nur ein kleiner Theilder Spekulanten, oder der durch überhohe Verwertung ihrer Ge-schäfte etc. bereicherten früheren Besitzer, hat seine Gewinne voll-ständig realisirt und in solider Weise angelegt. Andere placirtendieselben zwar in anderen, als den Papieren, wobei sie gewonnen,jedoch in Werthen gleich unsolider Natur. Noch andere behielten die