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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
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gung der ungedeckten Noten (die selbstverständlich nur eine all-mäh li ge sein kann) hinwegzuhelfen, wenn auch, von der Logikabgesehen, die wirthschaftliche Intuition schon erkennen lassen sollte,wie auf so gebrechlichen, willktihrlichen Grundlagen kein grossesGesetz aufgebaut werden kann.

Der Banknotenaberglauben wurzelt in einer falschen Vorstellungvon der Erzeugung der Werthe und von der wirthschaftlicheu Rolle,die das' Geld dabei spielt. Die Vortheile der Geldwirthschaft sindsonnenklar; sie treten am besten hervor, wenn man sich die Phy-siognomie unserer wirtschaftlichen und sozialen Zustände zu ver-gegenwärtigen sucht, falls das Geld daraus verschwände, direkterAustausch der Bedürfnisse wieder an die Stelle des, durch Geld ver-mittelten Kaufs und Verkaufs treten sollte. Das Geld allein ermög-licht die Theilung der Arbeit und diese ist die Mutter des unend-lichen Reichthums an Arbeitswerten, welcher die Welt erfüllt undsich ins unendliche mehrt. Diesen unermesslichen Vorteilen gegen-über muss und kann der Nachteil hingenommeu werden, einenkleinen Theil des durch Arbeit geschaffenen Gesammtreichthums jederNation (und einen solchen kleinen Theil bildet das Geld nur) dieserwichtigen, an sich nicht productiven, jedoch alle Productionskräfteentfesselnden Bestimmung widmen zu müssen. Ueber die Notwen-digkeit dieses Opfers hinaus, welches durch die Ansammlung derGeldvorräte im Wesentlichen bereits gebracht ist, und nur jährlichergeringer Zuschüsse bedarf, liegt aber in der Geldwirtschaft nocheine Gefahr, die leider zu wenig gewürdigt und somit auch nicht inihrer vollen Bedeutung gegen die Banknotenwirthschaft geltend ge-macht wird. Die Wert- und Reichthumserzeugung hat nach wievor ihre einzige Quelle in der Arbeit und dem darauf begründetenAustausch der Erzeugnisse zwischen den in der Erzeugung und Ver-zehrung der Güter Beteiligten. Das dazwischen getretene Geldändert prinzipiell nichts in diesem Verhältniss, indem es, wie diedagegen eingetauschten Waaren, ein Arbeitsprodukt ist, das voll-kommen gleichen Werth repräsentirt. Allein in der Praxis desGrossverkehrs, wo Produktion und Konsumtion, Kauf und Wieder-verkauf der Waaren, oft räumlich und zeitlich weit auseinander liegen,nimmt das Geld dem Prozess des gegenseitigen Güteraustauschesseine Unmittelbarkeit.

Die unmittelbare Fühlung zwischen Production undConsumtion geht durch das dazwischen geschobene Me-dium des Geldes, im Verhältniss zu der verwandten Menge