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verloren. Geld ist ein notliwendiges Uebel; diesen Gesichts-punkt vergesse man nie. Durch den Ueberfluss wird das Geld in-direkt zum Träger der Speculation, die in einem gewissen Gradeergänzend, ausgleichend, kurz wirthschaftlicli vortheilhaft wirkt, inihren Uebertreibungen und Täuschungen aber zu den verhängniss-vollsten Störungen des wirthschaftlichen Gleichgewichts führt. Mankauft in der Hoffnung, binnen bestimmter Zeit mit Vortheil wiederzu verkaufen; allein die Hoffnungen trügen oft, die Conjuncturenändern sich, und mit der Geldcirculation stocken dann auch die Ge-werbe, welche ihre Erzeugnisse solchergestalt nur zu Lager, nichtaber zum wirklichen Austausch gebracht haben, oder denen die nö-tliigen Circulationsmittel entzogen worden sind. Es liegt auf derHand, wie die hierin liegenden Gefahren und Schwankungen um sogrösser sein müssen, je grösser das für die Speculation disponibleGeldquantum ist, wie also Ueberfluss an Geld in dieser Be-ziehung grössere Gefahren in sich birgt, als Geldknapp-heit. Sind aber somit auch bei der reinen Geldwirthschaft Schwan-kungen und gelegentliche Ausschreitungen in der Praxis nicht zuvermeiden, so bildet doch der Umstand, dass Geld ein Produkt derArbeit, von gleichem Werth wie die dagegen auszutauschende Waareist, ein mächtiges Gegengewicht gegen dessen Ueberfülle, also auchgegen die damit verbundenen Gefahren.
Dass es andererseits, nicht etwa vorübergehend und örtlich,sondern im Allgemeinen zu wenig Geld geben könne, ist eine grund-lose, von den Banknotenvertheidigern vorgespiegelte Befürchtung.Wenn schon mehr als die Hälfte der edlen Metalle zu andernZwecken, als zur Ausmünzung dient, und die Gold- und Silberpro-duction ungeschwächt fortdauert, ja noch bedeutend gesteigert werdenkann, so liegt auf der Hand, dass von einem vorhandenen, oder garzu befürchtenden Mangel ebensowenig die Bede sein kann, als vomMangel an Eisen oder Blei. Jeder Gegenstand, der überhaupt, wiedies hier der Fall, in genügender Menge vorhanden ist, um auchsteigenden Nachfragen zu begegnen, wird in den Mengen auf denMarkt gebracht (d. h. also gegen andere Arbeitsprodukte eingetauscht),wie es nothwendig, nützlich, rentabel erscheint, — so auch das Geld.Von absolutem Geldmangel für den regelmässigen Verkehr zu sprechenist ein wirthschaftlicli er Widerspruch; es kann immer nur örtlich undzeitweise fehlen, worauf dann der Zinsfuss für seine Benutzung steigtund es nach den Orten des Mangels abfliesseu lässt, oder die Pri-vaten Barrengold ankaufen und ausmünzen lassen. Sollte aber in