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der Timt das Goldbedürfniss für Münzzwecke nicht vollständig zubefriedigen sein, so würde es allgemein im Preise steigen und damitvon selbst das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot her-steilen. Ob das Goldquantum sich um ein Drittheil vermehrt, oderder Goldpreis um ein Drittheil steigt, ist für die wirthschaftlicheRolle, die das Gold spielt, ganz gleichgültig.
Mit der Einführung fictiver Werthzeichen, die nicht, wie dasMetall, Producte der Arbeit sind, wird zunächst die gesammte Gold-menge ebenso entwertket, als wenn es Gold vom Himmel regnete.Hielte ein solcher Regen lange an, so sänke Gold zum Werth derBachkiesel herab; man würde es nicht mehr der Mühe werth finden,sich zu Micken, um die Goldstücke aufzuheben. Es ist nicht noth-wendig, dass man diese Entwerthung sofort am Fallen des Zinsfusseserkenne, der überhaupt durchaus nicht in directem Verhältniss zumeigentlichen Geldwerth, sondern zu dem Gewinn steht, der sich zurZeit aus der Benutzung des Geldes ziehen lässt. Im Gegentheilführen übermässige Notenausgaben häufig zu spekulativen Strömungen,welche zeitweise den Mehrbetrag an Circulationsmitteln willig auf-nehmen *). Allein die Entwerthung des Geldes zeigt sich unzweifel-haft in den steigenden Waarenpreisen. Dass diese, auf mathema-tischen Sätzen beruhende Wahrheit überhaupt noch, verkannt, dassversucht werden kann, aus der Statistik einzelner Waarenpreise denBeweis des Gegentheils herzuleiten, liegt bloss an dem Verkenneneines der wichtigsten Gesetze der Volkswirthschaft, dem wir bereitsauf anderen Gebieten begegnet sind. Man verkennt den Umstand,dass dieselbe Ursache (also hier die Geldvermehrung durch Bank-noten) unendlich verschiedene Wirkungen auf die Preise der einzelnenGegenstände und Dienstleistungen ausübt, je nachdem diese in derRichtung der dadurch angeregten Speculation liegen, oder davon un-berührt bleiben, je nachdem Aenderungen in der Nachfrage auf ihreProduktionskosten und Preise einwirken u. s. w. Es ist also voll-kommen erklärlich, wie die durch Banknoten verursachten Preis-steigerungen sich nicht speciell bei jeder einzelnen Waare und nichtüberall in gleichem Grade nachweisen lassen; im grossen Durch-
*) In A. Walker’s verdienstvollem Werk, Science of wealth, das leider nochder Uebertragung ins Deutsche harrt, finden sich hierüber die interessantestenstatistischen Daten, die sogar, neben den bedenklichsten Schwankungen, höchstbedeutende Steigerungen des Diskonts, als indirekte Folge übermässigerNotenausgaben, nachweisen und erklären.