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schnitt aber sind sie so unzweifelhaft vorhanden, als man unmöglichden Maassstab verkleinern kann, ohne dadurch die Zahl der Maass-einheiten des gemessenen Gegenstandes zu erhöhen. Und darin liegengerade die Schwierigkeit und die Gefahr, dass man ein Steigen oderFallen des wirklichen Geldwertes nicht an ihm seihst, da es dieMaasseinheit bildet, sondern nur im Reflex der so ungleichartig fal-lenden oder steigenden Waarenpreise erkennen kann.
Während man also die Nachtheile der Banknoten bezüglichPreissteigerungen der Waaren zu leugnen versucht, weil in der Thatnicht alle Preise steigen, wird andererseits dogmatisch an demLaw’schen Irrthum festgehalten, dass Vermehrung der Circulations-mittel überhaupt etwas vorteilhaftes, ja zur vollständigsten Entfes-selung aller wirtschaftlichen Kräfte notwendiges sei. Wir habenoben, in Uebereinstimmung mit fast allen bedeutenderen National-Oekouomen behauptet, dass Geld, falls man es nicht durch Banknotenkünstlich verdrängt, wie jedes andere Arbeitsproduct, der Nachfrageentsprechend dargestellt und durch das Steigen oder Fallen desZinsfusses dahin geleitet wird, wo es fehlt, dass also von absolutemGeldmangel zu .sprechen ein Widersinn sei. Es ist aber characte-ristisch für die volkswirtschaftliche Polemik, wie die sogenannten„praktischen“ Volkswirte die Grundsätze nicht anzufechten wagen,dagegen die einfachsten Consequenzen derselben verleugnen. Wastheoretisch richtig, soll plötzlich praktisch unrichtig sein, wo dochdie Volkswirtschaft keine spekulative, sondern eine aus der Erfah-rung und den Thatsachen abgeleitete Wissenschaft ist. Es erscheintfolglich als baarer Unsinn, einen nationalökonomischen Grundsatzzugleich als theoretisch richtig und praktisch falsch zu bezeichnen.In der Durchführung einer richtigen Maassregel kann der Theo-retiker Fehler machen, wenn er den tatsächlichen Verhältnissen,die auf veränderter Grundlage gross geworden waren, nicht die ge-nügende Rechnung trägt, wenn er also z. B. mit der Erkenntnissder Schädlichkeit der Banknotenwirthschaft sofort und schonungslosalle unbedeckten Noten beseitigen wollte. Allein was hat admini-stratives Geschick oder Ungeschick mit der Wahrheit oder Falsch-heit wirtschaftlicher Grundsätze zu thun?
Man beweise also erst die Unrichtigkeit des Grundsatzes, dassMenge und Preis des Goldes sich von selbst und nach gleichen Ge-setzen wie bei allen Arbeitsproducten nach dem Bedarf regeln, unddann erst spreche man von der Notwendigkeit der Geldvermehrungdurch fictive Wertzeichen. Kann man aber jenen Grundsatz nicht