Druckschrift 
Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

umstossen, so erkenne man auch seine Consequenzen an, die einfachdarin bestellen: das wirthschaftliche Gleichgewicht im Austauschgleichwertiger Arbeitsprodukte, und ein solches ist das Gold, nichtdurch Einschiebung fictiver Werthe zu stören, also auch die Wieder-herstellung des augenblicklich oder lokal gestörten Gleichgewichts,den inneren wirtschaftlichen Kräften zu Uberlassen. Der wichtigsteRegulator in dieser Beziehung ist der Diskont. Bei der reellenGeld Wirtschaft regulirt sich derselbe von selbst, nach den Gesetzenvon Nachfrage und Angebot, genau wie der Preis einer Waare, dieMiete eines Hauses. Bei einer aus Metallgeld und Noten ge-mischten Währung machen sich dagegen die komplizirtesten Erwä-gungen geltend, auf die bisherige Emissionshöhe, auf das Zurück-strömen der Noten, auf den Wechselkurs u. s. w. Kurz, es wirddem subjektiven Ermessen und dem Privatinteresse einzelner Institute,gerade auf dem Gebiete der Feststellung des Geldwerts und Zins-fusses, ein weitgehender Einfluss eingeräumt, von welchem sie ganzausgeschlossen sein sollten.

Wir können aber den theoretischen Beweis von der Entbehrlich-keit fictiver Wertzeichen auch auf praktisches Gebiet verfolgen.Hier begegnen wir zuerst von Seiten derpraktischen Volkswirteder dogmatischen Behauptung, dass gesteigerte Thätigkeit in Industrieund Handel weit grössere Circulationsmittel in Anspruch nehme, dassfolglich die Banknote notwendig sei, um jenem Mangel abzu-helfen und alle wirtschaftlichen Kräfte voll zu entfalten. Nach An-sicht derpraktischen Volkswirte nämlich, würden diese sonstbrach liegen. Der Vordersatz ist ebenso unzweifelhaft richtig, alsdie Schlussfolgerung falsch. Denn wo mehr Geld erfordert wird,strömt auch mehr Geld hin, und desfallsige Erhöhungen des Dis-conts werden in günstigen Zeiten von Gewerbe und Handel mitgrösster Leichtigkeit getragen. Und nicht bloss aus der Ferne kommtGeld herbei; dieselben Ursachen, welche Consum und Gewerbthätig-keit steigern, führen es auch aus tausend kleinen Kanälen, wo es ingedrückten Zeiten miissig gelegen hatte, zusammen, und stellen esder Produktion, dem Handel und Verkehr direct oder indirect zurDisposition. Die Umsätze erfolgen rascher, so dass also dieselbeGeldmenge bedeutend grössere Transaktionen ausgleicht; je verkäuf-licher die Producte, je coulanter arbeitet das Creditsystem. Kurz,es ist eine grundlose, nur von dem Interesse am Zinsgewinn unbe-deckter Noten erfundene Sorge, dass wirklicher Mangel an metallnenCirculationsmitteln diejenige Entfaltung, selbst der höchsten Regsam-