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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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von irgend einer Notenbank inne gehalten worden. Manche derselbenhaben mit ihren Noten förmlich marchandirt, Provisionen für derenUnterbringung an entlegenen Plätzen gezahlt, den Notenkredit demPublikum geradezu aufgedrängt. Wenn aber die Notenbanken, unddie Preussische obenan, sich in der Hausseperiode in ihrer speziellenGeschäftsführung meist viel solider gehalten haben, als eine grosseZahl der übrigen Bankinstitute, so beweist dies durchaus nichts gegendie wirthschaftliche Schädlichkeit der ungedeckten Note. Eine Ope-ration kann an sich finanziell solid (d. h. dem Darleiher nicht gefahr-bringend) und doch wirtschaftlich verwerflich sein. Die finan-zielle und die wirthschaftliche Zulässigkeit einer Ope-ration haben gar nichts mit einander gemein. Unstreitigwirkt eine Notenbank noch schädlicher, wenn sie statt soliderWaarenweclisel fingirte Reitwechsel discontirt, wenn sie den Emis-sionen gar keine Zügel mehr anlegt und auch ihren eigenen Actio-nären Verluste bereitet. Allein so w r enig die prompteste Ultimoregu-lirung der Differenzspielcr an der Börse, so wenig die pünktlichsteBezahlung von Spielschulden zu der wirtschaftlichen und moralischenVerwerflichkeit der zu Grunde liegenden Operationen in irgend einerBeziehung steht, so wenig beweisen die glänzend solide Leitung derPreussischen Bank und die Zufriedenheit ihrer Actionäre das Min-deste gegen die wirthschaftliche Schädlichkeit ihres Notenprivile-giums und die Uebertreibung ihrer Notenemissionen in den Jahren1871 / 73 .

Die vorstehenden Ansichten über die Banknoten sind in ähn-licher Weise von vielen bedeutenden Volkswirten ausgesprochenworden, ohne dass sie bisher, gegenüber den Privatinteressen desStaates und der Banken an den Papiergeld- und Notenemissionen,bei dem übertriebenen Respekt vor dem bestehenden, und bei demallgemeinen Mangel volkswirtschaftlicher Kenntnisse, zur praktischenHerrschaft gelangen konnten. Man glaubt für die Praxis genug ge-tan zu haben, wenn man ein Uebermaass der Ausgabe verhütetund ihre Einlösbarkeit sichert. Man glaubt also immer noch,oder hat wenigstens ein Interesse daran, es zu behaupten, dassdie Banknote an sich nützlich, fruchtbar, dass nur dasZuviel schädlich sei. Diese Logik ist allerdings schwer ver-ständlich, und dass ihr jede rationelle Grundlage fehlt, zeigt sichgenügend an dem Herumexperimentiren mit Maximalsummen, dieebenso willkürlich gegriffen sind, als die Formeln für ihre Bedeckung.Unserer Ansicht nach wirkt ungedeckt jede Note bis zum kleinsten

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