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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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torium der Preussischen Bank , da ihm, wie es scheint, von obenganz freie Hand gelassen wurde, so verfahren ist? Von ihrem pri-vaten Standpunkt aus muss man es sogar als eine solide Selbstbe-schränkung anerkennen, wenn die Preussische Bank die Metallbe-deckung (die übrigens nicht bloss den Noten, sondern dem gesummtenGeschäftsbetrieb als Grundlage diente), in den Jahren 1870 bis 1874bis zu durchschnittlich 68 pCt. der Notenemissionen anwachsen liess,wenn sie nicht auf Grund des Geldzuflusses aus Frankreich nochviel weiter mit den Emissionen und Beleihungen vorging, wozu sichkaufmännisch als solid zu betrachtende Wechsel und Fonds in Füllenoch dargeboten hätten. Entschiede bloss dieseSolidität, so könnteman ja leicht eine Milliarde Noten gegen erste Hypotheken in dieWelt setzen. Aber dies alles beweist nur umsomehr, wie voll-ständig unverträglich es mit dem öffentlichen Interesseist, die erste wirthschaftliche Forderung der Nation aufHeilighaltung ihres Werthmaassstahes, den in entgegen-gesetzter Richtung liegenden Privatinteressen privile-girter Institute unterzuordnen, ihrer wirthschaftlichen Einsicht,ihrem finanziellen Belieben den tiefgehendsten Einfluss auf das Fun-dament alles wirthschaftlichen Lebens und auf die gesammte wirth-schaftliche Entwickelung einzuräumen. Denn es kann doch heutewohl nicht mehr ernstlich in Frage kommen, wie unverantwortliches vom allgemeinen Standpunkt gewesen ist, bei dem Milliarden-zufluss aus Frankreich noch zu so enormer Vermehrung der Ausgabefictiver Werthzeichen zu schreiten, beziehungsweise so grosse Summenim Umlauf zu belassen und nicht sofort einzuziehen. Selbst die Mo-tive zu dem Reichsbankgesetz sprechen indirekt dieses Eingeständnissaus. Schon jene französischen Milliarden allein konnten vom solidenGeschäft, von dem arbeitenden Theil der Nation, unmöglich sofortaufgenommen werden, oder in Anlagen des Staates Verwendungfinden, mussten also mit Nothwendigkeit der Spekulation zufliessen,oder das Metallgeld ins Ausland treiben. Und in diesen Ueberflusshinein, und theilweise auf Grundlage desselben, sandten die deutschenBanken, die direkt unter dem Preussischen Handelsminister stehendeBank voran, in steigender Vermehrung ihre Noten, trotz der Aus-schreitungen der Spekulation, die schon vom Jahre 1871 ab demblödesten Auge erkennbar waren! Es circulirten in Deutschland anungedeckten Noten im März 1873 gegen 600 Millionen Mark. Daaber die hierbei in Rechnung gestellte Metalldeckung gleichzeitig dieBetriebs- und Deckungsfonds der Banken für alle ihre anderen Ge-