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Sachen spezifisch anders, wenn auch nicht allerwärts, so doch inden von der Spekulation hauptsächlich erfassten Zweigen und anden Orten, wo sich grosse Massen von Arbeitern konzentriten, sonamentlich in den Bergwerks- und Industrie Distrikten, in den grossenStädten, bei den Eisenbahnbauten u. s. w. Die Arbeiter verlangten,proportional mit der Lohnerhöhung, kürzere Arbeitszeiten; am Sonn-abend und Montag fielen ausserdem halbe, oft ganze Tage aus. Da-bei ward langsamer und schlechter gearbeitet; die Arbeiter fügtensich keiner Controlle und Anweisung mehr, der Ehrgeiz auf guteLeistungen, der den deutschen Arbeiter früher auszeichnete, hörteauf, — kurz es entstand ein Chaos, von welchem sich jeder ver-nünftige, in dem Taumel noch hei Sinnen gebliebene Arbeiter selbstsagen musste, wie auf solcher Basis keine wirthschaftliche Ordnungauf die Dauer möglich sei, ein Chaos, welches selbst einen Theilder Agitatoren, welche die Arbeiter in diese Bahn geleitet und ihnenHass gegen die Arbeitgeber eingeflösst hatten, zur Besinnung brachte.Die Palme in diesem unrühmlichen Streit errangen die BerlinerMaurergesellen in der ersten Hälfte des Jahres 1873. Sie brachten esrichtig so weit, ihren Lohn aufs Doppelte zu steigern, die Zahl dertäglich vermauerten Steine auf die Hälfte herabzusetzen, die Maurer-arbeit folglich um das Vierfache zu vertheuern, während gleichzeitigdie Preise der Baumaterialien aufs Doppelte gestiegen waren! DieArbeitgeber ertrugen den Zustand so lange, als es ihnen möglichwar, die so enorm erhöhten Productionskosten, in Erhöhung ihrereigenen Forderungen, auf die Bauherrn und Besteller überzuwälzen.An den Punkt angekommen, wo dieses nicht mehr möglich war,machten sie natürlicherweise mit ihren Concessionen Halt. Damitbrachen dann zunächst die Strikes, die massenhaften Arbeitseinstel-lungen los, Missbräuche der von der neuern Gesetzgebung den Ar-beitern gewährten Coalitionsfreiheit und Freizügigkeit, welche ingleiche Categorie mit den Missbräuchen der neueren Actiengesetzge-bung fallen und leider damit zusammen fielen. So traurig nun auchdie unmittelbaren wirthschaftlichen und socialen Folgen der Arbeits-einstellungen waren, so hatten sie doch das Gute, den Arbeitern dieAugen zu öffnen, Uber die Ohnmacht eines Kampfes gegen die Na-tur der Dinge. Die Androhungen der Arbeitseinstellungen führtenoft zu Erfolgen, die Ausführungen nie. Denn wenn es die Arbeit-geber in einer für sie günstigen Periode höchster Nachfrage undPreise zu einer Arbeitseinstellung kommen Hessen, so war dies immerein untrügliches Anzeichen, wie sie thatsächlich nicht in der Lage