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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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würde, so wäre dies noch keine Concession an das Schutzsystem,sondern nur eine, im Staatsverhand zulässige, unter Umständen ge-botene Rücksicht auf ein altes, ausgedehntes, durch das Schutzsystemleider vielfach in falsche Bahnen geleitetes Gewerbe. Je fester imPrinzip, je milder kann man in der Durchführung sein; während einGewerbe in solcher Krise liegt, soll man dieselbe nicht verschärfen.Auch würde eine solche zeitliche Maassregel den Consumenten um soweniger empfindlich sein, als die inländischen Preise doch auf demtiefsten Niveau stehen. Eine andere Frage ist nur, ob es im wahrenInteresse der Betheiligten selbst liegt, einen solchen Beschluss, fallser überhaupt für nothwendig erachtet wird, früher als gerade vordem Schlusstermin (Ende 1876) zu fassen. Schon jetzt eine solcheVerschiebung auszusprechen, würde nur dem einzig wirksamen Heil-mittel für raschere Beendigung der Krise entgegenarbeiten, nämlichdie Productionen energischer einzuschränken, auch da, wo noch wirk-lich übertriebene Löhne bestehen, dieselben auf ein dauernd haltbaresNiveau herabzusetzen. Vielleicht stellt sich hierdurch im Laufe desnächsten Jahres die Besserung in der Lage der Eisenindustrie vonselbst wieder ein und macht die Verschiebung einer Maassregel un-nöthig, welche das Gewerbe doch nun einmal als eine unabänderlicheansehen muss. Hob man 1871 oder 1872 bei steigendem Marktdiese Zölle ganz auf, so erreichten die Eisenpreise, weder in derHausse-Krisis ihren überhohen, noch in der Baisse-Krisis ihren jetzi-gen niedrigen Stand. Das abermalige Hineinziehen grosser Kapita-lien vor Thorschluss (durch Umwandlung bestehender Werke inAktiengesellschaften, unter Aufschlag von vielen Millionen, und durchVergrösserungen bestehender Werke), wäre vermieden, der Uebergangjedenfalls milder vollzogen worden*).

Wir sehen also, dass sich für Beschleunigung und Milderungdes Heilungsprozesses, nachdem einmal vom Staat, wie von den Be-

*) Im Uebrigen wird sich die Eisenindustrie darein ergeben müssen,mit der Zollfreibeit denjenigen Theil ihres Gewinns, beziehungsweise Kapitals,schwinden zu sehen, welcher bisher schon wirthschaftlich verloren, allein aufdie Consumenten übergewälzt war. Wie sich diese Verluste auf die verschie-denen Eisendistrikte und die einzelnen Zweige des Gewerbes vertheilen wer-den, ist mit Bestimmtheit nicht voraus zu sagen, namentlich da die Industrie indem wichtigen Uebergang von der Fabrikation eiserner auf stählerne Schienenbegriffen ist. Soviel wird sich indess herausstellen, dass die Befürchtungen