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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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theiligten die Anwendung richtiger Mittel im richtigen Augenblick,dem Beginn der Krise, versäumt worden war, nicht viel mehr thunlässt. Dagegen werden die eingetretenen Zeiten der Ruhe und Samm-

der Industriellen sehr übertrieben waren. Denn wenn fast alle Zweige derEisenindustrie, in immer steigender Progression (namentlich Rohstahleisen,Schienen, Blech, Draht, Eisen- und Stahlwaaaren, Lokomotiven, Waggonsu. s. w.), schon längst, trotz höherer Frachten und Vertheuerung durch denSchutzzoll, im Ausland mit England konkurriren, so gestattet der innere,natürliche Zusammenhang der Preisverhältnisse desselben Fachs einen Schluss,dass sämmtliche Fabrikationsstufen und -Zweige nicht weit von der allge-meinen Konkurrenzfähigkeit entfernt sein können. Der Wegfall des Roheisen-zolls hat in der That die, nur in der Absatzstockung wurzelnde Krisisnicht merkbar verschärft; denn seit der Zollaufhebung vom 1. Oct. 1873 istdie Einfuhr von Roheisen nicht etwa gestiegen, sondern ungefähr in gleichemVerhältniss wie die innere Produktion gefallen; gleiches gilt vom Schmiede-eisen und Stahl, trotz der Zollherabsetzungen um 42 pCt.

Im Uebrigen wird der Einfluss der vollständigen Zollaufhebungen vom1. Jan. 1877 voraussichtlich den Gang nehmen, dass stets die höhere Fabrika-tionsstufe möglichst stark auf die Preise der vorhergehenden niederen, ihrdas Rohmaterial beschaffenden, drücken wird, also die Walzwerke auf dieHochöfen u. s. w. Dieser Druck wird sich dann schliesslich, in seiner Gesammt-wirkung, auf die unterste Stufe des Gewerbes, die Beschaffung der Roh- undHülfsmaterialien für die Roheisenfabrikation, ahladen. Die Preise der Stein-kohlen und Kalkzuschläge werden hierdurch nicht wesentlich herabgedrücktwerden können, da ihre Konjunktur von dem Gang der Eisenindustrie wohlberührt, aber nicht beherrscht wird. Der Eisenstein-Bergbau hat daher, inletzter Instanz, den Hauptstoss der vollständigen Aufhebung der Eisenzölleauszuhalten, und die Zukunft der verschiedenen Eisendistrikte wird im Wesent-lichen davon abhängen, ob und wie weit ihre Bergwerke diesen Stoss ertragen,ob,und wie weit sie also fortarbeiten oder eingehen werden. Denn der Ver-lust des Unternehmergewinns, sogar der Zinsen der Anlagekapitalien, kanngetragen, kein Gewerbe dagegen dauernd unter die wirklichen haaren Selbst-kosten herabgedrückt werden. Insofern nun in verschiedenen Distrikten derEisensteinbergbau wesentlich eingeschränkt, eventuell auf die grössten, oderauf die, werthvollere Qualitäten liefernden Gruben beschränkt werden muss,wird sich diese negative Einwirkung auf die, bisher darauf angewiesenenlokalen Gruppen der höheren Fabrikationsstufen, Roheisen, Walzwerke u. s. w.fortpflanzen, und in dem Grade beschränkend auf ihre Rentabilität einwirken,als ihnen der Ersatz des Rohstoffs aus anderen Distrikten leichter, oderschwerer, oder'ganz unmöglich wird. Wir glauben indess keineswegs, dassder Bergbau in irgend einem der Haupteisendistrikte in grösserem Umfangzum Erliegen kommen könnte; besitzen wir doch einzelne Gegenden, nament-lich an Mosel und Saar , wo die Produktionskosten des Roheisens den günstig-sten Werken Englands und Belgiens gleichstehen. Auch hat die 1873 er-folgte Aufhebung des Roheisenzolls einen wesentlichen Theil des Drucks aufdie Gruben bereits antizipirt, so dass die noch ausstehende Zollbefreiung des