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Die wirthschaftliche Krisis / von Wilhelm Oechelhaeuser
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irischen Lehranstalten wäre endlich jene Vereinigung und Durchdrin-gung der Bau-, Gewerbe-, Berg-, Forst- und Landwirtschaftlichen Akademien zu wirklichen, den Universitäten gleich stehenden, unterUmständen mit ihnen zu verschmelzenden Hochschulen zu wünschen*).

- Und endlich ist, von dem hier gewählten Standpunkt, die uner-lässliche Anforderung zu stellen, die Volkswirthscbaft unterdie obligatorischen Lehrfächer aller Bildungsanstalten,ohne Ausnahme, aufzunehmen. Das, was jedem Menschen,dessen Sorge für seine materielle Existenz doch den grössten Theilseines Lebens füllt, das Erste, Wissenswerteste sein sollte, wirdbisher vollständig vernachlässigt, lediglich den Universitäten über-lassen, die mit ihren volkswirtschaftlichen Professuren auch fastnur dem Zwecke dienen, dem künftigen höheren Regierungsbeamten,nach homöopathischer Methode, gerade soviel ökonomische Weisheitmitzugeben, als er zum Besteben des Staatsexamens braucht).

Die Volkswirtschaftslehre muss von der Universität, durch alleZwischenstufen hindurch, selbst bis zur Fortbildungs- und Volksschule,herabsteigen. Wissenschaftlicher Materialismus führt nicht zumoralischem Materialismus, sondern er führt davon ab. Das in-ductive Erkennen, diese Grundlage, welche die Natur-wissenschaften mit der Volkswirthschaftslehre gemeinhaben, muss in unserem gesammten Unterrichts wesen zuseinem Recht gelangen und den ihm gebührenden Ent-wicklungsraum zugemessen erhalten. In der Volksschulekann dieser Raum am leichtesten durch vollständiges Hinauswerfendes, den gesunden religiösen Sinn nur erschlaffenden orthodoxenMemorirstoffs, dieser traurigen Erbschaft der Raumerschen Periode,gewonnen werden, wenn wir uns auch den volkswirtschaftlichenUnterricht nicht als besonderen Lehrgegenstand denken, der denKindern schon abgesteckte Systeme der Volkswirthscbaft, difficileBegriffsbestimmungen beibringen soll. Es würde vielleicht schon ge-nügen, wenn die für das praktische Leben bedeutungsvollsten Lehren,dass z. B. Reichthum nur durch Arbeit und Sparsamkeit erworbenwerden kann, dass Müssiggang zu Armutk und Elend tühren muss,dass Bildung, Fleiss und Redlichkeit besser vorwärts bringen, alsererbter Reichthum, dass alle Klassen der Bevölkerung, insbesondere

*) Ueber die Zielpunkte einer Reform unserer Lehranstalten enthält Jahr-gang III, Heft 14 der Holtzendorffsehen Zeit- und Streitfragen, eine trefflicheAbhandlung aus der Feder W. Gallenkamps.