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in seiner geistigen und sittlichen Kultur tief herabdrückt,folgt ein allmähliches, oft unterbrochenes Wiederaufleben.Unter dem Grossen Kurfürsten, und noch mehr unter Friedrichdem Grossen, bildet sich im Norden der gesunde Kern derkünftigen politischen Neugestaltung. Gleichzeitig wächstaus den Trümmern und Schlacken der unsagbaren Ver-heerung eine neue wunderbare Blüte in Dichtung, Kunstund Wissenschaft, eine neue Kultur, die das geistige Banddes wiederauflebenden deutschen Volkes wird. Wie dasEisen durch das Feuer geht, um Stahl zu werden, so gehtdas werdende Deutschland durch die Not der napoleoni-schen Kriege. Die schwere Prüfung wird zur Wiedergeburt.In dem Ringen auf Leben und Tod erwächst die Erkenntnisder militärischen, politischen und wirtschaftlichen Not-wendigkeiten einer neuen Zeit. Die Organisation des Volks-heeres ermöglicht die Abschüttelung des Jochs der Fremd-herrschaft und bereitet die Grundlage für die späterenWaffenerfolge. Die Bauernbefreiung und die Gewerbefrei-heit, die kommunale Selbstverwaltung und die Verfassunglösen die soziale, wirtschaftliche und politische Gebunden-heit und erschliessen den wachsenden Kräften des deutschenVolkstums ein neues weites Feld freier Betätigung. DerZollverein beseitigt die Schlagbäume im Innern Deutsch-lands und schafft ein einheitliches deutsches Wirtschafts- gebiet.
Das Gefühl der geistigen, wirtschaftlichen undpolitischen Zusammengehörigkeit verschmilzt die deutschenStämme zu einer Nation. Das jahrhundertelange Ringenfindet seine Vollendung, als aus der in dem glorreichenVolkskriege erneuerten Blutsbrüderschaft das D e u t s c h eR e i c h ersteht.
Aber diese Krönung der Entwicklung ist kein Abschluss,sie ist ein neuer Anfang. Die Kräfte, die sich früher ingegenseitigem Kampf und Streit verzehrten, die sich später