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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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in dem Ringen um die nationale Freiheit und Einheit aus- lebten, waren nach der Wiederherstellung des Reichs und der Neubegründung der deutschen Machtstellung frei ge- worden für eine das ganze Volksleben erfassende und durchdringende Kulturarbeit. Die achtunggebietende Wehr unseres Heeres, der unser Kaiser eine mächtige Flotte zur Seite stellte, hat uns mehr als vierzig Friedensjahre ge- sichert und hat dem Deutschen nicht nur im Binnenlande, sondern, wo immer draussen in der Welt er sich nieder- liess, Schutz und Förderung gewährt. Im Schatten dieses Friedensschutzes hat das deutsche Volk in rastloser, nie er- müdender Arbeit von Kopf und Hand die in Ohnmacht und Selbstzerstörung verlorenen Jahrhunderte wieder eingebracht, es hat seine gesamten Daseinsbedingungen aus beschränkter Enge zu ungeahnter Entfaltung ausgeweitet und alles in allem genommen einen Aufstieg vollzogen, wie er, zu- sammengedrängt in eine so kurze Zeitspanne, in der Völker- geschichte kaum seinesgleichen hat. In dem ersten Viertel- jahrhundert nach der Reichsgründung vollzog sich diese Entwicklung, nachdem auf die riesenhafte Anspannung aller Kräfte der naturgemässe Rückschlag gefolgt war, zögernd und stockend; noch war die Zeit der Sammlung und vor- bereitenden Arbeit. Der in der ersten Hälfte der 90er Jahre beginnende stürmische und sieghafte Aufschwung fällt in seiner ganzen Ausdehnung in die Regierungszeit unseres Kaisers. Auf die Zeit der von wirtschaftlich-sozialen und politischen Voraussetzungen nahezu unabhängigen Entwick- lung der reinen Geisteskultur, auf die Zeit der grossen poli- tischen Evolution ist eine Zeit wirtschaftlichen Schaffens und sozialer Fortbildung gefolgt.

Man hat unserer Zeit dieses Hervortreten der wirt- schaftlichen Entwicklung zum Vorwurf gemacht und den materiellen Fortschritt in Gegensatz gestellt zu der Entwick-