70Schicketanz/HeiligenhausBefangenheit gegenüber neuen Technologien ein nicht zu unterschät-zender Faktor, der schon im Vorfeld über Wohl und Wehe jeder Digita-lisierungsinitiative entscheidet.16Doch wer ist der>Nutzer<? Im Zeitalter des>analogen< Informations-austausches, in der Ära der klassischen Bibliothek, lag die Antwort aufder Hand: der>Leser<, im universitären Bereich also vor allem Wissen-schaftler und Studierende. In der Epoche der hybriden Bibliotheken undArchive,17die neben Schrifttum in Buch- oder Microform alle erdenkba-ren Arten und Formate von digitalisierten Materialien bereitstellen müs-sen, wird der Bibliothekar beziehungsweise Archivar zunächst selbst zumNutzer an erster Stelle zum>User< technischer Apparaturen, Compu-teranwendungen sowie Format- und Auszeichnungssprachen zur Erfas-sung, Indizierung und Verbreitung von Informationen. Zwar soll nichtunterstellt werden, dass das Bibliotheks- und Archivpersonal bislang ei-nen Bogen um den Computer gemacht hätte. Die Anforderungen, dieheute an den Bibliothekar und Archivar gestellt werden, unterscheidensich jedoch immens von Fertigkeiten, wie sie seit den 1970er Jahren hin-sichtlich der EDV-gestützten Katalogisierung und Datendistribution ver-langt wurden. Nicht allein der neue Medientypus, vor allem die techni-sche Peripherie zwingt zur grundlegenden Neuorientierung:Nicht nur die Andersartigkeit der Medien, auch die gleichzeitig veränderte Weltder Informationstechnik, die schnellen Netze, die hohe Speicherdichte und dieDiversifikation der Informationsmärkte stellen unsere Vorstellungen radikal inFrage.18Amerikanische Digitalisierungsspezialisten insistieren daher zurecht dar-auf, dass jeder Initiative die selbstkritische Bewertung der eigenen tech-nischen Kompetenz vorausgehen muss:The impulse to embrace things digital is strong, but too often infrastructure -costs, personnel, systems, and preservation gets insufficient thought and deliv-ery falls short of the promise. Information professionals can little afford to makemistakes in initiating and maintaining digital programs. They must assess care-lung des Positionspapiers»Information vernetzen Wissen vernetzen«.<http://www.bmbf.de/presse01/720.html>(22.1.2004). Vgl. Fußnote 12.16Vgl. Hermann Leskien: Der Einfluss digitaler Medien auf die bibliothekarischen Tätig-keiten. In: Hartmut Weber/Gerald Maier(Hg.): Digitale Archive und Bibliotheken,S. 51-63. Hier S. 63.(Fußnote 1).17Zur>Hybriden Bibliothek< vgl. Chris Rusbridge: Towards the Hybrid Library. In: D-Lib Magazine, Juli/August 1998.<http://www.dlib.org/dlib/july98/rusbridge/07rusbridge.html>(22.1.2004).18Hermann Leskien: Der Einfluss digitaler Medien auf die bibliothekarischen Tätigkei-ten, S. 51.(Fußnote 16).
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"Inseln im Meer des Beliebigen" : Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika
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