Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
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VI Vorrede.

eine wahre Geschichte und kein Roman seyn, somuß sie die Sachen nicht so vortragen, wie sie seynkönnten ooer seyn sollten, sondern wie sie wirklichsind; sie muß bey Aussuchung der Grunde, wel-che hier das Pragmatische ausmachen, der Spra-che keine Gründe unterschieben, welche der ganzrohen und sinnlichen Vorstellungsart ihrer Erfin-der nicht angemessen sind. Alle als Sprachgrün-de angegebene Ursachen, welche auf spitzfinvigeUnterschiede, auf abstracte, tiefsinnige Betrach-tungen, und auf Endzwecke, welche dem sinnli-chen Menschen unbekannt oder unnütz sind, hin-aus laufen, sind schon um deßwillen verwerflich,weil sie der Denknngsart des Volkes, welchesSprache schafft und nach dunkel erkannten Ähn-lichkeiten ausbildet, nicht angemessen sind.

Um diesen wahren Gesichtspunct des Verän-derlichen in der Sprache nicht zu verfehlen, mußteich nothwendig bis auf ihren Ursprung selbst zu-rück gehen, weil ohne denselben so vieles in derSprache entweder völlig unerklärbar bleibt, oder- leicht falschen Gründen beygemessen werden kann.Ich mußte mich dabey freylich sehr kurz fassen;allein ich bin zufrieden, und es ist zu dieser AbsichthiMnglich, wenn man mein Lehrgebäude davonnur sehr wahrscheinlich, wenigstens wahrschein-licher findet, als alle übrige bisher bekannte. Ichhoffe vermittelst desselben sehr vieles, wo nicht al-les, glücklich aufgekläret zu haben, was auch un-sern besten Philosophen unerklärbar und räthsel-haft blieb, und eine sorgfältige Vergleichung alles

Ver-