Vorrede.
XXXI
Auch hier wünschet man einen Grund zu wis.sen, warum die Wörter Boden, Bogen, Fadenu. s. f. den Umlaut hüben sollen, denn der Ge-brauch ist verschieden (^). In Sachsen gibtman ihnen den Umlaut, und Gottsched hat die-ses in seiner Sprachlehre angenommen, worin ihmhernach manche ohne weitere Untersuchung nach-gcfolget sind; bey den Alten aber hatten sie ihnnicht, und sie werden noch jetzt, in ganzen Pro-vinzen sowohl, als von verschiedenen Schriftstel-lern , ohne Umlaut gebraucht (^°). Hier müssenalso Gründe entscheiden, welches besser und richti-ger ist, und diese Gründe aufzusuchen, ist diePflicht des Sprachlehrers, denn sonst folget ernur dem bloßen Gebrauche semer Provinz, oderdem, was er bey andern Sprachlehrern gefunden,ohne zu untersuchen, warum es ist, welches doch
Herr
(iy) Die Berliner Bibliothek hat seit ihrem Entstehen mehrals eine Sprachlehre recensieret, deren Verfassern es nieeingcfallcn war, auch mir von einer Sache Grund anzu-geben, ohne diesen Mangel zu rügen. Nun fordert sievon mir Grund in Dingen, welche keines andern Grun-des fähig sind, als des Sprachgebrauches, der bey sei-nem Entstehen freylich wohl eineii Grund hatte, aber einenGrund, der für unS kein Grund mehr ist, nähmlich diedunkele Empfindung deö Hörbaren in der Mehrheit, S.§. 159 der Sprach!, und daS Lehrgcb.
(20) Alte Formen können jetzt so wenig mehr entscheiden,als Provinzial-Mundartem Was im Hochdeutschenrichtig ist, kann nur allein aus dem gegenwärtigen Hoch-deutschen Sprachgebrauchs entschieden werden; gibt die-ser den gedachten Wörtern durchgchends den Umlaut, soist jeder der Hochdeutsch schreiben und sprechen will, ver.bunden, sich diesem Gebrauche zu unterwerfen.