8
Einleitung.
feinert sich auch dessen Sprache, weil es neue Be-griffe bekommt und die alten berichtigt. Zugleichverfeinert sich das Äussere der Sprache, so wie Sit-ten und Lebensart biegsamer werden; die rauhenTöne werden mit gleich bedeutenden sanftem ver-tauscht, die Sprache wird durch Vervielfältigungder Partikeln runder, voller und biegsamer, sie wirdimmer regelmäßiger, je mehr sie geschrieben, undnicht mehr bloß dem Munde des großen Haufensüberlassen wird. Alles dieses geschiehet sehr.lang-sam, und nach und nach von dem Volke und dessenerweiterten Begriffen selbst, nicht von Sprachleh-rern, welche an der Ausbildung der Sprache immerden geringsten Antheil haben.
Der höchste mögliche Wohlstand ist zugleich der«rste Schritt zum Versalle, weil jedes endliche Dingentweder zunimmt oder abnimmt. Eben das giltvon der Sprache. Äußerer Wohlstand gebierst denLuxus; auf die mannliche Feinheit der Sitten, folgtweibische Verzärtelung, die Gründlichkeit weichtdem Schimmer und kindischen Putze, und die Nei-gung zum erkannten Wahren und Guten der Liebezur Neuheit und zu Veränderungen, und die Spra-che wird nunmehr so schlüpfrig, weich und üppig,als das Volk, welches sie spricht.
Hieraus erhellet zugleich, in wie fern sich eineSprache fixiren lasse. Eine todte Sprache ist schonan sich fixirt genug; allein die lebendige Spracheeines ganzen Volkes fixiren wollen, heißt der immerfortschreitenden Natur Gränzen setzen wollen. Nurdie Schriftsprache läßt sich fixiren, wenn der schrei-bende Theil einer Nation weise genug ist, den Ver-fall ihres Wohlstandes zu empfinden, und patriotisch
genug,