Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
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I. Sprache überhaupt. 9

genug, wenigstens ein Überbleibsel ihres ehemah-ligen Glanzes zu retten. Dieß ist der Fall in Ita-lien , wo sich der bessere Theil nach den Schriftstel-lern des iSten und i6ten Jahrhunderts bildet, inwelchen Reichthum, Geschmack, Künste und Wis-senschaften in Italien eine Höhe erreicht hatten, zuwelcher sie nachmahls nie wieder gelangt sind.

§. 5. Die Sprache eines Volkes muß also zu Dialecrundverschiedenen Zeiren nothwendig sehr verschieden Mundart,seyn. Allein es gibt auch noch Gründe, warum sieunter den verschiedenen Theilen eines und eben des-selben Volkes zu einerley Zeit verschieden seyn kannund muß. Diese Verschiedenheiten machen dasaus, was man Dialecre oder Mundarten einerSprache nennt.

Wie wichtig die Kenntniß und Beurtheilungder Sprachen in der Geschichte ist, die Abstammungund Verwandtschaft der Völker zu bestimmen undzu beurtheilen, ist nunmehr bekannt genug. Alleinnoch hat niemand Regeln gegeben, wornach dasVerhältniß der Sprachen gegen einander beurthei-let werden müsse, oder woraus man bestimmenkönnte, was Mundart, was verwandte und wasverschiedene Sprache ist. Ich werde in demAbschnitte von der Bildung der Wörter einen Ver-such machen, diese Regeln zu entwerfen, so weit sol-ches in einer Sprachlehre geschehen kann.

Der erste und vornehmste Grund der verschie-denen Mundarten ist denn doch wohl in der verschie-denen Abstammung zu suchen; indem jedes nur ir-gend beträchtliche Volk ursprünglich aus mehrernverwandten Stämmen bestehet, die sich im Ganzen

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