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Einleitung.
eben so von einander unterscheiden/ als jeder einzel-ne Mensch von dem andern verschieden ist. Mehroder weniger Gemeinschaft unter den Stammen, ver-schiedene Grade der Cultur, Clima und Boden, und. andere zufallige Umstände mehr, unterhalten dieseVerschiedenheit, vermehren oder vermindern sie, undkönnen endlich aus dem, was anfänglich nur Mund-art war, eine eigene sehr verschiedene Sprache ma-chen, wenn nämlich die Trennung frühe genug undvor der völligen Ausbildung der Sprache geschie-het; und auf diese Art sind die meisten Sprachenin der Welt entstanden.
Welches die §. 6. Man hat sich von je her sehr viele unnö-erste Spra- thige Mühe gegeben, ausfindig zu machen, welchesche gewesen erste Sprache in der Welt gewesen; weil man^' geglaubt, alle übrigen Sprachen müßten sich als-dann sehr leicht aus dieser ersten herleiten lassen.Allein, wenn auch diese erste Sprache ausfindig ge-macht werden könnte, so ist um deßwillen die Folgenoch nicht gegründet. Bey der sehr frühe geschehe-nen Verbreitung und Vertheilung der Familien undStämme mußte die kaum gebildete, folglich nochsehr arme und unvollkommene Sprache sich noth-wendig sehr bald in unzählige Mundarten verwan-deln. Und da jede Familie oder jeder Stamm fort,fuhr, die empfangenen Anfangsgründe der Sprachenach Maßgebung seines Bedürfnisses, seiner Lebens-art, und seines Clima auszubilden, so mußten dieMundarten in einem beträchtlichen Zeitraume noth-wendig zu eigenen Sprachen werden, welche von ih.rer Ursprache endlich nichts mehr, als die erstenWurzelwörter, aufzuweisen hatten. Die Hebräi-sche Sprache ist freylich die älteste, von welcher wirdie beträchtlichsten Überbleibsel haben; allein sie ist
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