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Einleitung.
Gerade'dieß war der Fall Europens und beson-ders Deutschlandes. Es ward im vierten und denfolgenden Jahrhunderten mit wilden Völkerschaftenangefüllet, welche sich so lange ausbreiteten, als dieGränzen der Natur und die vorliegenden Nationenes verstatteten. Allein die Fluch fand endlich ihreDamme, und die wilden Horden wurden nach langenblutigen Kriegen unter sich genöthiget, den Hangzur Jagd und wilden Lebensart aufzuopfern, sich inihrem Raume einzuschränken, und den Mangel desIlmfangeS durch Arbeitsamkeit, Ersindsamkeit undFleiß zu ersetzen. Bey den meisten Völkern, wel-che jetzt in Deutschland einwanderten, war derGrund dazu schon vor ihrer Ankunft gelegt, weil sieauf ihrem Wege überall aus mächtige Völker stie-ßen, und in den Kriegen mit ihnen zur Ordnungund Unterwürfigkeit gewöhnet wurden, daher sie inDeutschland desto eher und leichter ausgebildet wer-den konnten. Wir sehen wirklich gar bald nach dergroßen Revolution ordentliche Staaten entstehen, diebürgerliche Gesellschaft verfeinert sich, das LehenS-System, bey weiterer Cultur in der Folge zwarschädlich, aber in den jetzigen Umständen sehr wohl-thätig, weil es Freyheit und Gleichheit mit der Un-terwürfigkeit verbindet, und dem rohcnBarbaren diebittere Pille vergoldet, fängt an, sich zu entwickeln,man siehet geschriebene Gesetze zum Vorscheine kom-men, kurz der Staat fangt an gesittet zu werden.Da die bisherige auf Wildheit und bloß sinnlicheBegriffe gegründete Religion einem so sehr umge-schaffenen Volke nicht mehr angemessen ist, so bie-thet sich die christliche von selbst dar, welche nur eineReligion für schon gesittete Völker ist, aber auch zu-gleich ihre Cultur beschleuniget. Die Lranb'enwaren der erste Germanische Volkesstamm, welcher
sich