sich zu bilden anfing, wozu sie nach ihrer Nieder,lassung in dem schon unter den Römern gesittetergewordenen Gallien die beste Veranlassung beka-men. Dieser ihrer frühen Cultur, verbunden mit!den Überresten ehemahliger Härte und Wildheit,hatten sie zugleich ihre nachmahlige Herrschaft übereinen großen Theil Europens zu verdanken.
Ob die Deutschen vor dem Anfange ihrer Culturschreiben können, läßt sich leicht entscheiden, wennman nur ein wenig Bekanntschaft mit ähnlichenwilden Völkern hat. Der Mensch ist im Stande derWildheit ein wahres Raubthier, entweder er ist aufder Jagd oder im Kriege oder er schläft. Für einso ganz sinnliches Geschöpf ist eine Kunst viel zuhoch, welche so viele feine Begriffe voraussetzt. Undgesetzt, seine rohe Seele könnte sie fassen, was fürUrsache, was für Antrieb kann er haben, sie auszu-üben, er, dem Jagd und Krieg die höchste und eini-ge Beschäftigung sind? Die nordischen Runen sindin den neuern Zeiten um viele Jahrhunderte nähergerückt, und in Germanien weiß man von Runennichts.
Die Deutschen bekamen die Lehrer in der Reli-gion aus den benachbarten gesitteter» Staaten, unddiese waren nicht allein die ersten, welche es wagten,die rauhe ungeschlachte Sprache zu schreiben, son-dern sie waren noch mehrere Jahrhunderte fast dieeinigen in der Nation, welche schreiben und lesenkonnten. Was Wunder, daß sie das LateinischeAlphabet dazu wählten, da es ihnen das geläufigste,oder vielmehr das einige, war, welches sie kannten.Da dieß die Schrift einer fremden Sprache war,deren Töne von den Deutschen so sehr verschiedensind, da die ersten Glaubenslehrer selbst, nach der
Sitte