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Einleitung.
Sitte der damahligen Zeit, sehr unwissend waren,da an Kritik und Etymologie noch gar nicht gedachtwurde: so ward dadurch zugleich der Grund zu denMängeln in der Rechtschreibung gelegt, welche dieDeutsche Sprache seitdem drücken, welche sie abermit allen bekannten Sprachen gemein hat, weil siealle ihre Schriftzeichen von andern entlehnt haben.
Man empfand diese Unbequemlichkeit schon sehtfrühe, daher der Fränkische König Chilperik imJahr 580 für drey Töne, für welche das LateinischeAlphabet keine eigenen Schriftzeichen hatte, dreyneue Buchstaben einzuführen suchte. Die Stellebey dem Gregor von Tours , der uns diesen Um-stand aufbehalten hat, ist zwar ein wenig verderbt,allein man siehet doch, daß die drey Laute, welcheseine Aufmerksamkeit auf sich zogen, das ü, rh undrv waren. Zu deren Bezeichnung er das Longobardi-sche ä, welches einem -» gleicht, das Gothische ausdem Griechischen G entstandene ^ oder rh, und dasAngelsächsische? oder n? einzuführen suchte. Chil-perik konnte mit diesen kleinen Neuerungen nichtdurchdringen, ungeachtet er Monarch seiner Nationwar, und diese kaum noch die ersten Schritte in derCultur und in der Kunst zu schreiben gethan hatte;und zwölf Jahrhunderte darauf können noch einzeleGlieder der Gesellschaft hoffen, bey einer völlig aus-gebildeten Nation noch weit wichtigere Neuerungendurchzusetzen?
Als die Sachsen zu schreiben anfingen, so wähl-ten sie das Alphabet ihrer Brüder in England , derAngelsachseil, welches mit einigen Veränderungengleichfalls aus dem Lateinischen entlehnet war. Al-lein, als sie von den Franken bezwungen wurden,
mußten