Is. Deutsche Sprache. 29
mußten sie mit der Fränkischen Herrschaft auch dasFränkische Alphabet annehmen.
§. 16. Daß diese Veränderungen einen großen Wie sie ge-Einfiuß aus die Sprache haben mußten, wird sehr schiehet.bald deutlich, wenn man nur erwägt, daß sie Aus- .druck der Begriffe und Vorstellungen ist, welche sich ,in dem gesitteten Zustande unglaublich vermehrenund verfeinern. Indessen war die Veränderungnicht so groß, als bey andern angränzenden Völkern,und in ihrem Fortgange sehr langsam, wovon dieUrsachen sehr leicht aufzufinden sind.
Wilde Völker werden vornehmlich auf einezwiefache Art gesittet. Entweder durch Eroberungoder durch innere Fülle. In jedem Falle sind wie-derum zwey andere möglich. 1. Entweder wird einwildes Volk von einem gesittetem überwunden, undalsdann wird es ganz von diesem gebildet, und mußoft dessen Sprache annehmen; welches der Fall ittdem westlichen Europa war. Oder 2. ein rohesund noch ungebildetes Volk bezwingt ein gesittetesund schon gebildetes, da e6 sich denn nicht selten,wenn der bezwungene Theil Zahlreicher ist, als dererobernde, nach demselben bildet, welches von denmeisten wilden selbst Deutschen Völkern gilt, welchejetzt in die Römischen Provinzen einwanderten, undsich in die Trümmer dieses Colosses theilten. Oderz. ein wildes Volk wird durch Volksmenge und in-nere Fülle bey der Unmöglichkeit fernerer Ausbrei-tung gezwungen, den rohen Stand der Natur zuverlassen, und in eine engere bürgerliche Gesellschaftzu treten. Hat ein solches Volk keine bekannte ge-sittete Nation in seiner Nachbarschaft, welche es zumMuster nehmen könnte, so gehet es seinen eigenenWeg, und wird ein Original. Von dieser Art sind
die