II. Deutsche Sprache. zz
§. 17. Der Fortschritt war freylich langsam Gehet sehrund unmerklich/ theils wegen der Natur der Sache langsamselbst, theils aber auch wegen der Dazwischenkunft ^ St-t-mancher innern und äußern Umstände, durch wel-che die Cultur der Sprache aufgehalten ward.
Hoher Grad der Wildheit und Barbarey, in wel-cher die Deutschen vor, und zum Theil noch in derVölkerwanderung lebten, und blühender Zustand derSprache, Künste und Wissenschaften sind die zweyäußersten einander entgegen gesetzten Gränzen derCultur, und e6 gehöret eine ganze Reihe von Jahr-hunderten dazu, ehe ein Volk, wohl verstanden, wennes sich selbst überlassen ist, von der ersten zur letztengelangt. Wie viele Mühe undZeit war nicht nöthig,das zur Jagd und an die Wanderung gewöhnteVolk an feste Orte zu binden, und ihm den Feldbau -erträglich zu machen? Wie viele Klöster und Bis-thümer mußten nicht gestiftet werden, ehe man dieseAbsicht erreichte? Und wenn sie einmahl erreichtwar, welch eine Kluft befindet sich nicht noch zwi-schen diesem Zustande und der höhern Cultur derSitten, Künste und Wissenschaften, ohne welchedoch keine völlige Ausbildung und Verfeinerung derSprache Statt findet?
Wenn ein wildes Volk die Sprache eines schongebildeten annimmt, so thut es in der Cultur, wennanders keine äußern Hindernisse dazu kommen, inkurzer Zeit sehr mächtige Fortschritte, weil es mitder Sprache zugleich die Anlage zu allen den Vor»stellungen und Begriffen erhält, welche dessen Cul-tur ausmachen und beschleunigen. Allein in demFalle, worin sich die Deutschen befanden, war dieungeschlachte, fast ganz sinnliche, und an Ausdrü-cken für feinere geistige Begriffe ganz arme SpracheAdel.jL.Spr. C ein
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