Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
79
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III. Deutsche Mundarten. 79

zu befleissigen, und die einheimische Landesspracheblieb dem gemeinen Volke überlassen. An man-chen Orten entstand durch ungeschickte Vermischungbeyder eine dritte Mundart, wohin die so genannteMesilnglsche Sprache (von mischen, miscere,daher auch der Nahme des Messings, als einesvermischten Metalles,) in Niedersachsen , und dieAäselauische in Preussen , gehören. Da man nundie Niederdeutsche Mundart bloß als eine verach-tete Volkssprache ansähe, so blieb sie in der Culturzurück, und man hat wohl mehr als einmal denunbilligen Vorschlag gethan, sie völlig auszurotten,so wenig sie auch dieses Schicksal verdienet.

Denn 'sie ist gerade das Gegentheil der Ober-deutschen Sprache, und unter allen Deutschen Mundarten in der Wahl und Aussprache der Tönedie wohlklingendste, gefalligste und angenehmste,eine Feindin aller hauchenden und zischenden, undder meisten blasenden Laute, und des unnützen Auf-wandes eines vollen mit vielen hochtönenden lautenwenig sagenden Mundes, aber dagegen reich aneiner kernhaften Kürze, an treffenden Ausdrückenund naiven Bildern. Es fehlt ihr weiter nichts,als eine sorgfaltige und verstandige Cultur, um siezu der reichsten, angenehmsten und blühendstenSprache zu machen. Der Ausländer, dem dievielen Hauch - Blase - und Zischlaute des Oberdeut,schen ein Ärgerniß sind, lernt die Niederdeutscheam el-sten und leichtesten, so wie der Niedersachsewegen seines feinen Gehörs und wegen der Fein-heit und Biegsamkeit seiner Sprachwerkzenge jedefremde Sprache weit eher und vollkommener spre-chen lernet, als sein schwerfälliger südlicher Bruder.Man könnte daher leicht in Versuchung gerathen,

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