8c> " Einleitung.
die Niederdeutsche Mundart für die Sprache einesblühenden und durch Wohlstand und Wissenschaftensehr frühe ausgebildeten Volkes zu halten, und viel-leicht ist sie wirklich ein Überbleibsel einer Cultur,welche über die Gränzen unserer bekannten Ge-schichte hinaus gehet.
So sehr nun auch diese Mundart von ihrenstolzen Schwestern zu allen Zeiten verachtet und un-terdrücket worden ist, so haben doch die Niederdeut-schen den Ruhin, daß sie nächst den Hochdeutschenihre Sprache am meisten kritisch bearbeitet haben.Beweise davon sind die nühlichen Idiotica 5>Ach.Aicheys von der Hamburgischen, Job. Chrisjropb Strodtmaims von der Osnabrückischen,und Johann GeorI Bocks von der PreussischenMundart, vor allen aber das schöne Bremisch-LTliedersächsische N?örterbuch der BremischenDeutschen Gesellschaft, welches von 1767 bis 1771in fünf Bänden in 8. heraus gekommen ist, und ei-nen großen Theil.der ganzen Niederdeutschen Mund-- art umfasset. Das wenige, was wir von den sozahlreichen Oberdeutschen Mundarten haben, sindBruchstücke, wovon noch keines den Nahmen einesIdiotici verdienet, und von den meisten fehlen auchsolche Bruchstücke. Wie verdient könnten sich nichtOberdeutsche Sprachkenner und Sprachliebhaberum die ganze Sprache machen, wenn sie, anstattNeuerungen auszusinnen und auf ihre Hochdeut-sche Schwester zu fchmähen, das Eigene in derSprache ihrer Provinzen aufsuchten und bekanntmachten!
Hochdeut- §. Z2. Herr Prorector Gedike in Berlin ver-sche Mund- gleicht in seiner Einladungsschrift über Purismusund Sprachbereicherung, Berlin 1779 S. 20.
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