Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
81
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IN. Deutsche Mundarten, Zr

die drey Deutschen Hauptmundarten sehr treffendmit den drey bekanntesten der ehemahligen Griechi-schen Sprache, der Dorischen, Ionischen undAttischen, denn die Äolische war eben so sehr nureine Unterart der Dorischen, als es die Bäuerischevon der Oberdeutschen ist. Die Dorische glich derOberdeutschen, war die Sprache der gebirgigen Ge-genden Griechenlandes, und liebte, wie der Deut-sche Oberlander, den vollen und breiten Mund, dieZisch- und Hauchlaute, und die rauhen aus derGurgel gesprochenen Doppellaute. Ihr Gegensatzwar die Ionische, welche die flachen Gegenden amMeere beherrschte; so sanft und weich, wie der Nie-derdeutsche, vermied sie, so viel möglich, alle rau-hen Gurgeltöne, alle breiten Doppellaute und zi-schenden und rasselnden Buchstaben. In der Mittezwischen beyden lag der Attische Dialect, er warjünger als sie, bereicherte sich aus beyden, und warddurch Wohlstand, Geschmack und Gelehrsamkeit ammeisten ausgebildet, daher er als der blühendste,wohllautendste und Zierlichste nach und nach seineältern Brüder verdrängte, und endlich in Schriftennur allein gebraucht wurde.

Gerade so die Hochdeutsche, welche im Grun-de nichts anders ist, als die durch das Obersächsischegemilderte, und durch Geschmack und Wissenschaftenausgebildete Oberdeutsche Mundart . Den Grunddazu hat das Fränkische, einer der nördlichen Ober-deutschen Dialecte , gegeben, welches mit den Frän-kischen Colonisten, die Heinrich i. im zehnten Jahr-hunderte zwischen die Elbe und Sale versetzte, da-hin gebracht wurde. Diese vermischten sich mitden einheimischen Slaven, welche endlich die Spra-che der neuen Ankömmlinge annahmen und mit ih-Adel.D.Spr. F nen