Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
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Einleitung.

neu zu einem Volke vereinigt wurden. Da die Sla«vische Sprache wegen ihrer feinen und wohlklingen-den 'Aussprache bekannt ist, so ging ein Theil davonmit in die hierher verpflanzte Frankische Mundartüber, welche schon dadurch verändert und wenigstensin der Aussprache verfeinert ward. In der Folge,da Handlung, Wohlstand, Geschmack und Sittenin Meisten immer blühender wurden, erstreckte sichdie immer fortschreitende Cultur auch auf sie, so daßsie bey derWiederherstellung der Künste und Wissen-schaften im sechzehnten Jahrhundert zur Verfeine-rung und Ausbildung der rauhen und vernachlässig-ten Oberdeutschen Mundart gebraucht werden konn-te. Meisten uud Obersachsen blieben noch lange nachder Reformation der vornehmste Sitz des Geschma-ckes und der Gelehrsamkeit in ganz Deutschland ,und daher geschahe es, daß die hier verfeinerte undausgebildete Sprache, nicht allein die Schriftspra-che des ganzen aufgeklärten Theils der Nation, son-dern auch die gesellschaftliche Sprache fast aller Per-sonen von Geschmack und Erziehung, besonders indein mittlern und nördlichen Deutschlande, ward und-noch ist. Siehe oben §. 26. 27. wo die Geschichteder Hochdeutschen Mundart seit der Reformationbereits berühret worden.

Die verblühete ältere Schwester sahe vom An-fange an scheel dazu, beneidete die jüngere wegenihrer Reihe, und suchte sie aus Verzweiflung durchden Vorwurf der Keherey verhaßt zu machen. Inguten Stunden vergaß sie zwar diese Grille, undfing so gar an, sich nach ihr zu bilden; allein dieböse iaune stellte sich bald wieder ein, und dann be-hauptete sie wohl in allem Ernste, daß ihre Run-zeln, ihre steifen und stolzen Blicke und ihre Ar-chaismen