Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

Einleitung.

dem ähnlichen Beschuldigungen herrschen, verra-the!' die Leidenschaft zu sehr, aus welcher sie her-gestossen sind, daher zu ihrer Widerlegung nur einPaar Worte, i) Wenn das südliche Deutschland ,so fern es dem nördlichen oder niedern Deutschlandeentgegen gesetzt ist, im ganzen Heiligen RömischenReiche Obcrdemschland und nicht Hochdeur-schland heißt, so ist kein begrifflicher Grundvorhanden, warum dessen Sprache nicht die Ober-deutsche sollte heißen können und müssen. DemNiedern stehet das Obere entgegen; daher ObersÖsterreich und Ober-Österreichisch, Ober-Schwaben und Ober-Schwäbisch, der Ober-Rhein und Ober-Rheinisch, Ober-Sachsenund Ober-Sächsisch und so ferner. 2) Sü-den stehet freylich dem Norden entgegen; abergibt es nichts dazwischen? Kein Mittleres? Es istallemahl ein Fehler, wenn man die Eintheilungbloß nach den beyden äußersten Gliedern macht, unddie mittlern überhüpft. Billig sollte man dreyHauptmundarteu annehmen, die südliche, höchsteoder Oberdeutsche, die hohe, Mitteldeutsche odermittelländische, und die nördliche oder Niederdeut-sche; alsdann könnte man die Hochdeutsche oder herr-schende Schriftsprache durch die verfeinerte mittel-ländische erklären. Diese verdient so gut einen eige-nen Nahmen, als die Attische, indem sie sich vonden beyden entgegen gesetzten, eben so sehr unterschei-det, als diese von der Dorischen und Ionischen , obsie sich gleich, so wie die Attische, mehr der ober-ländischen als der niederländischen nähert, z) DenNahmen des Meißnischen oder OdersächstschenDialectes kann diese Mundart so wenig führen, alssie Fränkisch, Thüringisch , Schlcstsch u. f. f.heissen kann. Zwar wird sie bey der in Obersach-sen