IV. Deutsche Sprachlehre. ZU
gebildet worden, Ältern aber eigentlich der Com-parativ von alt ist. Die Abstammung ist allemahldasjenige, was jedes Volk, wenn es seine Sprachemit Geschmack ausbildet, zuerst aufopfert und auf-opfern muß, weil das Ungeschlachte, das Rohe, dasÜberfüllte, das Sinnliche, welches jeder unausge-bildeten Sprache anklebt, feinern Sitten und Be-griffen unmöglich angemessen seyn kann. Es kannsie auch ohne Schaden aufopfern, weil eine jedeSprache, so bald sie ihre erste Stütze, den Natur-ton, verloren hat, und diese muß sie bey nur einwenig Cultur gar bald verlieren, eine Sammlunggewisser Maßen willkührlicher Zeichen wird, welchedurch immerwährende Übertragung der Begriffeund unaufhörliche Cultur oft kaum noch ein schwa-ches und sehr unbestimmtes Merkmahl ihres erstenUrsprunges behalten, daher man in den meisten Fäl-len zufrieden seyn muß, wenn nur die nächste Ab-stammung bezeichnet wird. Das ist nun freylichdem Etymologen, der weiter nichts ist, als Etymo-loge, ein Ärgerniß; allein es ist der Natur derDin-ge gemäß. Wenn sich eine Nation bildet, so em-pfindet die Sprache allemahl die erste Wirkung da-von, weil sie ein getreues Gemählde der Begriffeund Vorstellungen ist.
4. Allein es gibt auch Fälle, wo alle diese dreyEntfcheidungsgründe schweigen, und alsdann nntßin einer ausgebildeten Schriftsprache, dergleichen dieHochdeutsche ist, allerdings der Wohllaut in Be-trachtung gezogen werden. Dieser lehret uns z. B.daß das an sich schon schwere r unmittelbar nach ei-nem Doppellaute einen Mißklang verursacht, dahersetzet er demselben ein e vor, denselben zu heben.Leuer, Dauer, dauern, mauern, euern, fürFeur, Daur, dauren, mauren, euren. Die drey
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