Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
114
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ii4 / Einleitung.

Gesetze, ihr Sprecher und der Dollmetscher ihrerGesinnungen. Er entscheidet nie, sondern sammeltnur die entscheidenden Stimmen der meisten. Nielaßt er sich durch Vorurtheil oder Eigenliebe verlei-ten, die Gesetze der Nation zu verfälschen, oder ihrseine Meinungen unterzuschieben. Er stellet dieSprache so dar, wie sie wirklich ist, nicht wie sieseyn könnte, oder seiner Einbildung nach seyn sollte.Er ehret den Sprachgebrauch in allen seinen Thei-len, verwechselt ihn aber nicht mit Sprachfehlern,so gemein sie auch seyn mögen, besonders, wenn zuvermuthen ist, daß die Nation bloß aus Unkunde,Mangel der Aufmerksamkeit oder Übereilung ihreigenes Gesetz übertritt. Dergleichen Vergehen,die der Sprachlehrer verbessern kann und muß, sindz. B. die Niedersachsische Form du kommst, erkömmt, für kommst und kommt, gülden fürgolden, Leim für Lehm, dem ohnerachtet fürdessen ungeachtet, ohngesiir für ungefär, dieso gemeine Verwechselung der Ableitungssylbenicht, ig nnd lich, denen, derer, für den Artikelden, der, rvorinnen, darinnen für worin, dar-in, die Lügen im Singular für die Lüge, dieSaiten, für die Saite, ereignen für eräugnen,die Verwechselung des hinab und herab, hinaufund herauf, hinaus und heraus, hinein undherein, Reurer für Reiter von reiten, und hun-dert andere mehr. Gehet er weiter, so überschreiteter die Gränzen seines Befugnisses und der Spre-cher wirft sich zum Despoten auf.

Würdedn' §. 44. Die Sprachkunst ist von Alters her zuSprach- freyen Zxünsten gerechnet worden, d. i. zu den-jenigen Künsten, welche von freyen Personen geübetwerden konnten, um sie von den mechanischen zu

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