IV. Deutsche Sprachlehre. 115
unterscheiden, zu welchen nur Sclaven und Leibei-gene gebraucht werden dursten. Bey den Römern,bey welchen diese Eintheilung der Künste vorzüglichüblich war, war diese Stelle der Sprachkunst rühm-lich, indem man auch alle damahls bekannte schö-ne Künste und Wissenschaften mit unter die freyen-Künste zahlte. Allein in den neuern Zeiten, daman die schönen Künste von den freyen trennete,und zu diesen weiter nichts, als die Schreibekunst,Sprachkunst und höchstens die gemeineRechenkunst,rechnete, ward ihr diese EintheilungSart äußerstnachtheilig. Man sahe sie als ein bloßes Werk deöGedächtnisses an, bey welchem Verstand und Nach-denken nichts zu thun Härten; sie blieb den niedernSchulen überlassen, und die Männer, welche sievortrugen und lehrten, waren sehr selten an so vielesNachdenken gewöhnt, daß sie auch nur die Oberflä-che der Sprache hatten durchdringen können. Daherbefinden sich fast alle Sprachlehren, nicht bloß derDeutschen, sondern aller Sprachen, die Hebräischeetwa allein ausgenommen, in den traurigsten Um-ständen. Anstatt sich deutlicher Begriffe von der-jenigen Sache zu befleissigen, welche man vortragenwill, welches denn doch wohl die erste und vornehm-ste Pflicht eines Sprachlehrers seyn sollte, herrschtüberall nichts als Verworrenheit. Der Artikel istüberall ein Wort, welches bloß das Geschlecht an-zeiget, ^ennrvörter sind solche Wörter, vor dieman einen Artikel sehen kann, Suojtanriva,Nennwörter, vor welchen nur ein oder höchstenszwey Artikel Statt finden, Adjectiva, vor die manalle drey Arrikel setzen kann, Pronomina, Wörter,die anstatt der Nennwörter gesetzt werden u. s. f.Wie sich aus solchen Definitionen der Gebrauch derRedetheile bestimmen lasse, läßt sich leicht vorstel-
H 2 lsn;