Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
124
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124 I.TH. r.Abschn. Bildung der Wörter.

dere aber durch den Druck irgend eines Theiles des-selben , gebildet. Jene nennt man seit alten ZeitenVocale, und im Deutschen Selbstlaute, diese aberConfonanten oder Mitlaute; Nahmen, welchesich bloß auf die Bemerkung gründeten, daß jederVocal für sich allein tönen konnte, die meisten Con-sonanten aber eine gewiffe Öffnung des Mundes, undfolglich einen Vocal, erforderten, wenn sie hörbarwerden sollten. So richtig diese Bemerkung anund für sich war, und so leicht sie zu einem deutlichenBegriffe von diesen zwey so verschiedenen Classender Buchstaben hätte führen können, so benutzte mansie doch nicht dazu. Man blieb bey der dunkelnVorstellung stehen, und erklärte daher fast in allenSprachlehren den Vocal durch einen Buchstaben,welcher ohne Hülfe eines andern Buchstabens ausge-sprochen werden könne, und den Confonanten durcheinen Buchstaben, der nur vermittelst eines Vocalsgehöret werden könne. Das f sch, f, r, l, in, u,lauten für sich ohne Beyhülfe eines Vocals, folglichsind sie nach dieser Erklärung auch Vocale. EinIrrthum erzeugt immer gern den andern; da mandas Wesen der Vocale und Confonanten einmahlübersehen, und es in etwas bloß Zufälliges gefetzthatte, so hielt man dieses Zufällige, nähmlich dasSelbsttönende, auch gar bald sür das Wesentliche-eines vernehmlichen jauteS, und so wurden die Vo-cale wider ihr Erwarten in allen abendländischenSprachlehren für die ausdrückendsten und wesent.lichsten Theile der Wörter, die Confonanten aber fürbloße müßige oder höchstens Zur Parade und Ab-wechselung bestimmte Begleiter derselben gehalten.Die älteste«? morgenländischen Völker hatten, unge-achtet ihrer geringern Cultur, dennoch deutlichereBegriffe von dem, was das Wesen eines vernehm-lichen