i.Kap. Von den Buchstaben. §.5. 125
lichsn lautes ausmacht, indem sie nur allein dieConsonanten fiir wahre Buchstaben erkannten, unddie Vocale lange Zeit gar nicht durch die Schriftausdruckten. Wie sehr die ganz verkehrte Vorstel-lungöart aller unserer abendländischen Sprachlehrerdie Erforschung des Ursprunges der Sprache verwir-ren und erschweren müssen, wird aus dem folgendenKapitel erhellen, wo die Consonanten als der we.sentlichste und auödrückendste Theil der Wörter er-scheinen werden. Um nun diesen alten und nach-theiligen Irrthum so sehr als möglich in Vergessen-heit zu bringen, werde ich mit dem Hrn. Rectordeiner die Consonanten jederzeit Hauptlame, dieVocale aber Hülfslaure nennen. Ich würde fürden ersten Nahmen lieber Grundlam gewählet ha-ben, wenn dieser Ausdruck nicht in der Folge zu ei-ner andern Bestimmung nothwendig wäre. DerNutzen dieser veränderten Benennung wird aus demfolgenden Kapitel erhellen.
§. 5. Die Vocale oder Hülfslame sind ver- ErMmnsnehmliche laute, welche durch die bloße Öffnung deö der V»cale.Mundes hervor gebracht werden. Es gibt also ei-gentlich so viele Vocale, als verschiedene Öffnungendes Mundes von der größten an bis zur kleinstenStatt finden, und man entdeckt, wenn man meh-rere Sprachen, oder nur mehrere Mundarten einerund eben derselben Sprache, zusammen nimmt, de-ren wirklich eine sehr große Menge, deren Bemer-kung oft ein sehr feines Gehör erfordert. Alleinman druckt sie nicht alle durch sichtbare Zeichen aus,sondern schränkt sich bloß auf die merklichsten undam deutlichsten von einander unterschiedenen Lauteein, und wenn eine Sprache in der Cultur zunimmt,so entledigt sie sich von selbst aller schwankendenund unbestimmten Mitteltöne, und gewöhnet den
Mund