Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
135
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i.Kap. Von den Buchstaben. §.14. 135

mußten, so fand man auch im Deutschen anfänglichkein anderes Hülfsmittel. Man schrieb sie daherlange as, oe und ue oder ui, wovon man den letztenHülfslaut nachmahls, wenigstens in der kleinemSchrift, über den ersten setzte. Dieß verleitete dieSprachlehrer, welche das Zeichen des lautes nichtvon dem iaute selbst unterscheiden konnten, daß siediese jaute lange Zeit sür Doppellaute hielten, soeinfach auch die Öffnung des Mundes ist, vermit-telst welcher sie entstehen, und noch jetzt gibt es viele,welche sich nicht von dem Gegentheile überzeugenkönnen. Indessen darf man nur den Begriff einesDoppellautes erwägen, und auf die einfache Öff-nung des Mundes Acht haben, welche bey diesenbauten Statt findet, wenn man völlig überzeugtwerden will. Hierzu kommt noch, daß die wahrenDoppellaute in den allermeisten Fällen gedehnt aus-gesprochen werden müssen, diese aber, so wie alleübrige einfache Hülfslaute, eben so oft geschärft alsgedehnt werden.

Andere, welche nun zwar davon überzeuget wa-ren, aber sich mit ihrer Abstraction doch nicht weitüber die Zeichen erheben konnten, glaubten immernoch, einen Unterschied unter diesen und den fünfübrigen Vocalen machen zu müssen, und nanntensie daher bald unreine Vocale, bald Afcerlaurer,bald wieder anders; ohne eine gegründete Ursachedavon anzugeben. Es sind so viele Vocale mög-lich, als Öffnungen des Mundes möglich sind, und .es sind ihrer so viele in einer Sprache wirklich, alsein Volk solcher Öffnungen des Mundes zu Bezeich-nung seiner vernehmlichen Töne gebraucht. Daßman in manchen Sprachen nur fünf derselben anwen-det, a, e, i, 0 und u, beweiset weiter nichts, als daßman in denselben nicht mehrerer nöthig hatte, oder

I 4 auch,