Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
138
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,z8 i.TH. i.Abschn. Bildung der Wörter.

Hülfslaute sind, so wie ah, eh, oh und uh, welchedeswegen noch niemand für Doppellaute erklarethat. Nur das ee ist nicht allemahl ein Zeichen derDehnung, sondern lautet zuweilen zweysylbig, undzwar: l. wenn es zu zwey verschiedenen Sylben ge-höret, bekehren, be-endigen, gekehrt; und2. wenn es, um das Gesicht nicht zu beleidigen, dieStelle eines eee vertritt: die Ge-en, desAle-es, die Arme -en, für See-en, Mee-es, Arsmee-cn.

Von dem H. 17. Viele gemeine Mundarten, sowohl Ober-^' als Niederdeutschlandes lassen den langen Hülfslau-ten in der Aussprache gern ein kurzes e nachschleichen,lVi-en, L,i-echt, Di-eb, zweysylbig, Muser-ter, dreysylbig. Als man noch glaubte, das Deut-sche nach der Aussprache des Volkes mit allen Übcr-süllungcn und harten Nebenlantcn schreiben zu müs-sen, druckte man dieses e sorgfaltig mit aus. Alssich nachmahls die Aussprache verfeinerte, und sichaller solchen Nebenlaute entledigte, blieb die Art zuschreiben noch geraume Zeit, weil man einmahl dar-an gewöhnt war. Noch jeßt schreibt man in Frank-reich Caen, in Holland ^laerden, Vaerst, und inWcstphalen Soest, und spricht nur Caan, 57laarsden, Vahrst, Soost, mit gedehnten Hülsslauten.Als man nachmahls im Deutschen ansing, die tan-ze der Hülfslaute durch andere Hülfsmittel zu be-zeichnen, so verlor dieses e seine Stelle nach denHülfslauten, nur nach dem i behielt man es als einZeichen der Dehnung bey, und führte daher hierkein anderes für dieselbe ein. Das ie ist also un-serm heutigen Gebrauche nach nichts anders, als einZeichen eines langen i, und daher so wenig einDop-pellaut, als aa,eh oder andere mit einem Dehnungs-zeichen versehene Hülfölaute.