Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1782)
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

l4c> i.Th.i.Abschn. Bildung devWörter.

1. In Wörtern, welche aus dem Griechischenund lateinischen herstammen, vertritt die Stelledes Griechischen u und wird alsdann mit RechtEpsilon genannt, und ist ein einfacher Hülsslaut,der unserm ü gleichlautend ist: Sylbe, System,synthetisch.

2. In eigentlich Deutschen Wörtern ist es einZeichen eines gedehnten i, aber eines auf eine ande-re Art gedehnten, als ie. Es ist hier eigentlich einÜberbleibsel einer ältern überfüllten Aussprache, wel-che dem i am Ende einer Sylbe nach einem andernHülfslaute, und besonders nach dem a und e, nochein j nachschleichen ließ, so wie noch jetzt in man-chen Mundarten geschiehet, wo man allerleij, oderwohl gar allerleige spricht. Bey den Niedersach-sen ist diese Aussprache des gedehnten i noch sehrhäufig; z. B. Lijend, Feind, für Fi-end. ImHochdeutschen muß sich diese Aussprache am Endeder Sylben noch lange erhalten haben, wenigstensschrieb man das i in solchen Fallen gedoppelt ii odervielmehr rj, und aus diesem letztern ist nun unser ydurch Zusammenziehung entstanden, daher die gemei-nen Schreibemeister noch so gern zwey Puncte darü-ber zu setzen pflegen. Den2ten Iulii wird noch vonmanchem July geschrieben. Dieses Deutsche y nunsollte man niemahls Epsilon nennen, indem es mitdemselben nichts als die Figur gemein hat, welchedoch hier bloß zufällig ist. In den niedern Schu-len nennet man es II, und mit weit mehrerm Rech-te, weil dieser Nahme sein wahres Amt bezeichnet.

Im Hochdeutschen hat man dieses ij am Endeder Sylben nach dem a und e veralten lassen, daherlauten ay und cy jetzt nicht anders als ai und ei:Bay, May, Tändeley, vielerley, bey. Alleinnach o und ll hat man es beybehalten, daher lauten

Hoya,