i.'Kap. Von den Buchstaben. §. zi. 15z
denheit hat sich auch in die Deutschen Sprachlehreneingeschlichen. Die Ursache rühret daher: das Iist.der mittlere Laut seiner Classe, welcher härterlautet als j, und weicher als k. Die OberdeutschenMundarten, welche wegen der ihnen natürlichen Här-te den gelindernBuchstaben so gern die härtern ihrerClasse unterschieben, sprechen es daher in den meistenFällen, wie ein k aus; die Niederdeutschen pflegen,wegen des diesem Buchstaben anklebenden Hauches,welchem sie in allen Buchstaben so gern auszuwei-chen suchen, demselben in manchen Fällen gleichfallsein k, in andern aber das weichere j unterzuschieben;dagegen andere Mundarten, denen der eigenthüm-liche Hauch des g noch nicht stark genug ist, stattdesselben ein ch hören lassen. Alle diese Eigenhei-ten haben sich nicht nur zum Theil in die Hochdeut-sche Mundart eingeschlichen, sondern auch man-cherley Ungleichheiten und Verwirrungen 'in denSprachlehren eingeführet, weil jeder Sprachlehrerin zweifelhaften Fallen immer gern die Ausspracheseiner Provinz zu begünstigen sucht. Da nun dieVermengung und Verwechselung ähnlicher Haupt-laute allemahl ein Fehler ist, so fern der allgemeineSprachgebrauch ihr nicht das Wort redet, dieseraber in Ansehung des Buchstabens g getheilet ist,so ist der Sprachlehrer allerdings berechtigt, dieselbenach den Grundsätzen der Analogie und Vernunftzu berichtigen, zumahl da die besondere MeißnischeAussprache denselben am nächsten kommt.
Man lasse also dem I seinen eigenthümlichenLaut, welcher zwischen dem schlüpfrigen j und demhärtern L das Mittel hält, in allen Fällen, wo manes geschrieben sindet; eS sey am Anfange einer Syl-
K 5 be,